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/ 17.06.2013
Andreas Herberg-Rothe

Das Rätsel Clausewitz. Politische Theorie des Krieges im Widerstreit

München: Wilhelm Fink Verlag 2001; 254 S.; 30,60 €; ISBN 3-7705-3612-6
Das Werk Clausewitz', "bisher als bedeutendster Theoretiker des Krieges angesehen" (9), in einer auf aktuelle militär- und kriegspolitische Diskurse bezogenen Deutung einem heutigen Publikum zugänglich zu machen und dabei insbesondere einem weit verbreiteten Missverständnis in Bezug auf dessen viel zitierte Formel vom Krieg als der Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln zu begegnen, ist die erklärte Absicht des Verfassers. Dem Autor des bahnbrechenden "Vom Kriege" sei es mit dieser Formel gerade um das Festhalten am Primat der Zivilgesellschaft, das heißt die politische Begrenzung von Krieg und Gewalt, gegangen. Folglich erscheine der Kriegsbegriff im Werk Clausewitz "rätselhaft": "An die Interpretation seines Werkes, von Bewunderern wie Kritikern, seiner Dogmatisierung wie Verabschiedung, knüpfen sich zudem weitreichende politische Schlussfolgerungen wie militärpolitische Konsequenzen. [...] Um so notwendiger ist die Entschlüsselung von Clausewitz' politischer Theorie, seinem Rätsel des Krieges." (23) Dieser Aufgabe stellt sich der Autor in vier Hauptabschnitten. Der erste befasst sich am Beispiel des Verhältnisses Napoleonischer Kriegspraxis und deren theoretischer Kommentierung bei Clausewitz sowie der widerstrebenden Tendenzen zur Ent- bzw. Begrenzung von Krieg mit "Gegen-Sätze[n] und Ambivalenzen". Das zweite Kapitel ist "Gesichter[n] des Krieges bei Clausewitz" gewidmet und erörtert die Entwicklung des Kriegsbegriffs in den verschiedenen Phasen seines Werkes. Eine eingehende Analyse des Clausewitz'schen "Testament[s]" bildet den Schwerpunkt des dritten Hauptabschnitts. Hier sucht der Autor vor allem Gegensätze des Clausewitz'schen Kriegsparadigmas zum kriegspolitischen Denken seiner Zeit herauszuarbeiten. Im abschließenden Kapitel, "Krieg und Clausewitz im 21. Jahrhundert", werden jüngste Entwicklungen und der generelle Paradigmenwechsel aktueller Kriegspolitik im Licht des in den vorhergehenden Abschnitten Entwickelten kritisch kommentiert.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 5.335.444.41 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Andreas Herberg-Rothe: Das Rätsel Clausewitz. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16686-das-raetsel-clausewitz_19167, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19167 Rezension drucken
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