/ 11.06.2013
Florian Kain
Das Privatfernsehen, der Axel Springer Verlag und die deutsche Presse. Die medienpolitische Debatte in den sechziger Jahren
Münster/Hamburg/London: Lit 2003 (Beiträge zur Medienästhetik und Mediengeschichte 16); 216 S.; brosch., 25,90 €; ISBN 3-8258-6389-1Der Axel Springer Verlag versuchte das ZDF auszuspionieren und mit einem für Rundfunkfragen zuständigen CDU-Politiker einen dubiosen Beratervertrag abzuschließen, auf den Straßen protestierten die Studenten gegen das Verlagshaus - so endeten die massiven Versuche des Verlags, die Gründung privater Fernsehsender durchzusetzen. In den Jahren zuvor war das Fernsehen zum wichtigsten Massenmedium geworden, gerade von konservativer Seite wurde aber die angeblich zu regierungskritische Berichterstattung vor allem der Magazinsendungen moniert. Kain beginnt seine medienpolitische Betrachtung 1960, als Bundeskanzler Adenauer die Gründung einer privatwirtschaftlichen „Deutschland Fernsehen GmbH" initiierte, um als Bundesregierung durch die Gründung eines zweiten Fernsehsenders mehr Einfluss auf die deutsche Medienlandschaft zu gewinnen. „Kurz darauf machte der Verleger Axel Springer seine Forderung nach der Kommerzialisierung des Fernsehens erstmals öffentlich." (15) Anhand von 1.000 Presseartikeln skizziert Kain die folgende medienpolitische Debatte, die oftmals von heftiger Polemik geprägt war. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1961, mit der die Einführung eines bundesstaatlich kontrollierten kommerziellen Fernsehens mit Verweis auf die Länderkompetenzen untersagt wurde, beendete die Debatte keineswegs. Zwar scheiterten die Medienpläne Adenauers, private Gesellschaften als Träger von Programmen wurden aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die weiterhin von vielen Verlegern angestrebte Gründung privater Fernsehsender sei vielmehr schließlich an der gesellschaftspolitischen Debatte um die Pressekonzentration und die Meinungsmacht des Axel Springer Verlages gescheitert. Kain gelingt zwar ein aufschlussreicher Einblick in die medienpolitische Debatte der 60-Jahre, durch die Beschränkung auf die Printmedien bietet diese Arbeit aus politikwissenschaftlicher Sicht aber keine vollständige Analyse des Themas.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Florian Kain: Das Privatfernsehen, der Axel Springer Verlag und die deutsche Presse. Münster/Hamburg/London: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9469-das-privatfernsehen-der-axel-springer-verlag-und-die-deutsche-presse_22736, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 22736
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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