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/ 20.06.2013
Vanessa Conze

Das Europa der Deutschen. Ideen von Europa in Deutschland zwischen Reichstradition und Westorientierung (1920-1970)

München: R. Oldenbourg Verlag 2005 (Studien zur Zeitgeschichte 69); 453 S.; geb., 64,80 €; ISBN 3-486-57757-3
Geschichtswiss. Diss. Tübingen; Gutachter: A. Doering-Manteuffel, U. Sauter. – Das heute kaum noch ernsthaft infrage gestellte Europaverständnis der Deutschen, so die Autorin, lässt leicht die hierzulande bis in die 60er-Jahre gegebene Rivalität verschiedenster Europaideen vergessen. Conze stellt sich kritisch gegen die Tendenz, die Auseinandersetzung mit den Ideen von Europa vom liberal-demokratisch-pluralistischen Begriff her normieren zu wollen. Gerade für ein angemessenes Verständnis von der allmählichen Durchsetzung der „westlichen“ Europaidee im deutschen Kontext sei auch eine Betrachtung ihrer Widerlager erforderlich – wo es auch weit weniger hegemoniale Konzepte als die „Neue Ordnung“ der Nationalsozialisten gegeben habe. „Am Gegenstand zweier rivalisierender Europaideen – der Idee des ‚Abendlandes’ und der von ‚West-Europa’ –, der dahinter stehenden Weltbilder und Ordnungsvorstellungen, ihrer Trägergruppen und Interessen sollen Kontinuität und Wandel von Europakonzeptionen in Deutschland von der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis in die späten sechziger Jahre hinein untersucht werden“ (1). Dabei greift die Darstellung einer allgemeinen Verwestlichung der bundesrepublikanischen Gesellschaft (sowie der Widerstände dagegen) bewusst über die Epochengrenzen von 1933 und 1945 hinaus, denn Conze geht auch für den Wandel des deutschen Europadenkens davon aus, dass dahinter gesamtgesellschaftliche Wandlungsprozesse wirkten, die unabhängig von politischen Umbrüchen oder den entsprechenden zeitgeschichtlichen Periodisierungen blieben. Sie postuliert eine starke Abhängigkeit der Diskussion über Europa vom jeweiligen nationalen Kontext. Ihre Arbeit ordnet sie daher trotz des europäischen Themas vor allem als einen Beitrag zur deutschen Ideengeschichte ein. Jenseits der Debatte um eine Klassifizierung der realen Entwicklungen in Deutschland als „Sonderweg“ oder Ähnliches steht für sie dabei das Selbstverständnis der Deutschen im Mittelpunkt.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 2.312.353.7 Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Vanessa Conze: Das Europa der Deutschen. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24520-das-europa-der-deutschen_28319, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28319 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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