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/ 22.06.2013
Barbara Weber / Karlfriedrich Herb / Eva Marsal / Takara Dobashi / Petra Schweitzer (Hrsg.)

Cultural Politics and Identity. The Public Space of Recognition

Wien/Berlin: Lit 2011 (Politische Philosophie und Anthropologische Studien 2); 252 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-90126-2
Dass die Frage nach der Integration von Verschiedenem in den unüberschaubar komplexen Gesellschaften der Moderne wohl kaum alleine aus politikwissenschaftlicher Perspektive zu beantworten sein wird, leuchtet ein. Wie weit indes die Bandbreite von Betrachtungsperspektiven sein kann, wenn es um die Integrations- und Anerkennungsfähigkeiten zeitgenössischer Demokratien geht, überrascht mit Blick in diesen durchgängig englischsprachigen Sammelband dann aber doch. Versucht wird, Auskunft zu zwei zentralen Fragen zu geben: „Are ‚value-neutral’ human rights compatible with the recognition of cultural identity claims? [...] Is cultural identity a human right per se?“ (7) Damit ist das Feld für politik- wie für rechtswissenschaftliche, für philosophische wie für literarische Interventionen eröffnet. Für einen politikwissenschaftlichen Zugriff erweisen sich die Beiträge von Karlfriedrich Herb und Jennifer Glaser als besonders anknüpfungsfähig. In seiner sehr theoriedominierten Analyse von Rousseau kommt Herb zu dem plausiblen Schluss, dass der einsame Wanderer Ausdruck eines verklärten Blicks in eine weit zurückliegende Vergangenheit sei. Entgegen dieser retrospektiven Utopie bestehe die Gegenwart aus einer „sozialen Hölle“ (14), die ihrerseits nur durch die Institutionen der Republik für die irreduzible Vielheit der Individuen erträglich werden könne. Demgegenüber eröffnet Glaser die Perspektive hin zu einer möglichen Verzahnung von Theorie und Empirie. Mit zwei Fragen – „What kind of democracy enables us to live well with each other?“ und „What educational implications flow from this that might guide our efforts in teaching for democracy?“ (191) – ist der Weg zu klassischen Anforderungen demokratischer Erziehung beziehungsweise politischer Bildung geebnet. Wenn am Ende bei ihr die Forderung steht, wonach der Staatsbürger unter anderem zu mehr strategischer Kompetenz in deliberativen Prozessen erzogen werden müsse, dann ist das doch etwas enttäuschend. Als konkrete Handlungsempfehlung erscheint eine solche Aussage recht vage. Sie mag aber auch als problematisierender Impuls für Debatten über die Grenzen von Deliberation gelesen werden und könnte in einer solchen Perspektive tatsächlich einen Beitrag zur Reflexion über die Rolle des Bürgers in modernen, repräsentativen Demokratien darstellen.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.235.42 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Barbara Weber / Karlfriedrich Herb / Eva Marsal / Takara Dobashi / Petra Schweitzer (Hrsg.): Cultural Politics and Identity. Wien/Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35400-cultural-politics-and-identity_42666, veröffentlicht am 15.11.2012. Buch-Nr.: 42666 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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