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/ 22.06.2013
Hans-Ulrich Derlien / Doris Böhme / Markus Heindl

Bürokratietheorie. Einführung in eine Theorie der Verwaltung

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011 (Studienskripten zur Soziologie); 268 S.; 24,95 €; ISBN 978-3-531-17816-5
Das Buch basiert auf einem Skript des verstorbenen Verwaltungswissenschaftlers Derlien, das Böhme und Heindl nun fertiggestellt haben. Es ist vor allem an Studienanfänger und Examenskandidaten gerichtet. Ausgangspunkt aller Ausführungen ist das Werk von Max Weber. Die Autoren gliedern ihre Bürokratietheorie in vier Dimensionen, denen sie jeweils ein Kapitel widmen: Bürokratietheorie als Gesellschaftstheorie, das Verhältnis von Politik und Bürokratie, das Verhältnis von Individuum und Bürokratie sowie Bürokratietheorie als Organisationstheorie. Ausführlich schildern die Autoren die historische Genese westlicher Bürokratien, der Formalisierung von Rechtsetzung und der Entstehung der sozialen Schicht des Beamtentums. Bereits hier veranschaulichen sie, dass die Eigenarten moderner Verwaltung meist positiv und negativ zugleich wirken – etwa bei der Haltung gegenüber dem Bürger „ohne Ansehen der Person“, deren Unpersönlichkeit „der Preis für die Regelgebundenheit und die Berechenbarkeit legal-rationaler Herrschaft“ (59) sei. Die Eigendynamik bürokratischen Handelns und die Probleme ihrer politischen Steuerbarkeit werden ebenfalls anhand von Webers Theorien geschildert. Gegenüber gestellt werden dabei auch die Theorie von Karl Marx und die Besonderheiten sozialistischer Bürokratien. Die Gegenwart spielt hingegen eine deutlich geringere Rolle: Lediglich kurze Abschnitte sind etwa der Bedeutung des heutigen Beamtenstatus' oder der Bürokratisierung der Parteien gewidmet. Bei ihrer Betrachtung des Verhältnisses von Bürokratie und Individuum analysieren Derlien, Böhme und Heindl die Disziplinierung des Einzelnen innerhalb der Bürokratie (darunter auch in totalen Institutionen wie Konzentrationslagern); außerdem benennen sie wesentliche Aspekte der Interaktion von administriertem Bürger und Verwaltung. Bemerkenswert ist der organisationstheoretische Exkurs über bürokratische Züge der Mafia. Er zeigt, dass Bürokratie keineswegs formaler Organisationen bedarf. Insgesamt überzeugt das Buch mit seiner breiten historischen Anlage. Leider viel zu kurz kommt allerdings das Thema Entbürokratisierung. Bisherige Versuche auf diesem Gebiet werden auf wenigen Seiten zum Schluss geschildert. Für ein Lehrbuch wäre zudem ein Register hilfreich gewesen.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 5.415.422.215.33 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Hans-Ulrich Derlien / Doris Böhme / Markus Heindl: Bürokratietheorie. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34025-buerokratietheorie_40781, veröffentlicht am 01.09.2011. Buch-Nr.: 40781 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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