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/ 17.06.2013
Norbert Podewin (Hrsg.)

Braunbuch. Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik und in Berlin (West) Reprint der Ausgabe 1968 (3. Aufl.). Mit einer kritischen Würdigung und einem Gespräch mit dem Leiter der damaligen Arbeitsgruppe, Gerhard Dengler

Berlin: edition ost 2002; XVIII, 446 S.; geb., 22,50 €; ISBN 3-360-01033-7
Mit der Neuauflage wird ein in der Bundesrepublik offiziell nicht existierendes Buch, das gleichwohl eine nicht zu unterschätzende Wirkung entfalten konnte, wieder zugänglich gemacht. Das Braunbuch war ein Teil der Bemühungen der DDR, der Weltöffentlichkeit den wesentlichen Unterschied zwischen den beiden deutschen Staaten klar zu machen. Dem dient eine redaktionelle Gesamtschau der Verstrickungen der Bundesrepublik in die Nazi-Vergangenheit, von der natürlich das bessere Deutschland auf der anderen Seite der Mauer unberührt geblieben war. Nicht einfach als Propaganda konnte man aber den eigentlichen Hauptteil abtun: Das Buch enthielt in der ersten Auflage von 1965 eine Liste von 1.800 angeblich schwer belasteten Nazi-Funktionären und Kriegsverbrechern, die in den 60er-Jahren Führungspositionen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft der Bundesrepublik inne hatten. Das Ergebnis: Aus der dritten Auflage konnten bzw. mussten 300 Namen gestrichen werden, die mittlerweile ihre Positionen hatten aufgeben müssen. Im Neudruck wird versucht, dieses Dokument der Vergangenheitspolitik im Kalten Krieg selbst wieder zu historisieren. Dem dient vor allem die Darstellung des Entstehungszusammenhangs in einer neuen Einleitung. Podewin, selbst Mitarbeiter bei der Zusammenstellung des Originals, tendiert zwar zu einer sehr positiven Sicht, kann aber in den meisten Fällen die gebotene kritische Distanz bewahren. Großen Wert legt er auf die Wirkung des Buches, die gezeigt habe, wie eng die Entwicklungen der beiden deutschen Staaten aneinander gekoppelt gewesen waren. "Es ist darum nicht übertrieben zu behaupten, daß das 'Braunbuch' zwar eine Waffe im Kalten Krieg war. Aber ihr gezielter Einsatz leistete in der zweiten Hälfte der 60er Jahre einen notwendigen Beitrag zur Veränderung der politischen Landschaft in der Bundesrepublik und damit auf dem Kontinent. [...] Die Geschichte der Bundesrepublik wäre ohne die DDR anders verlaufen." (XVI)
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.3132.352.314 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Norbert Podewin (Hrsg.): Braunbuch. Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16798-braunbuch_19298, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19298 Rezension drucken
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