/ 05.06.2013
Ansgar Diller / Wolfgang Mühl-Benninghaus (Hrsg.)
Berichterstattung über den Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945/46. Edition und Dokumentation ausgewählter Rundfunkquellen
Potsdam: Verlag für Berlin-Brandenburg 1998 (Veröffentlichungen des Deutschen Rundfunkarchivs 5); 215 S.; brosch., 48,- DM; ISBN 3-930850-38-9Im Zentrum des Quellenbandes stehen Radioberichte von Eberhard Schütz, welche dieser zwischen Februar und August 1946 für den deutschsprachigen Dienst der BBC über den Nürnberger Prozeß verfaßte. Schütz arbeitete seit 1940 als Sprecher und Nachrichtenredakteur für die BBC. Seine Berichterstattung über den Kriegsverbrecherprozeß als zurückgekehrter Emigrant eröffnet in mehrfacher Hinsicht neue Perspektiven auf die unmittelbare Nachkriegsgeschichte Deutschlands: Zum ersten Mal steht eine fast vollständige zeitgenössische Radioberichterstattung in schriftlicher Form der Öffentlichkeit zur Verfügung. Es handelt sich dabei um einen weiteren Baustein in der Untersuchung der "Emigrantenblicke" auf Deutschland. Gleichzeitig war Schütz einer der wenigen deutschsprachigen Korrespondenten, die den Prozeß über einen längeren Zeitraum verfolgen konnten; die personelle Kontinuität läßt die Entwicklungslinien des Prozesses so deutlicher zum Vorschein treten. Außerdem eröffnet sich ein Blick auf die Medienpolitik der Alliierten, die gerade im Rundfunk einen wichtigen Baustein für die Re-education und Demokratisierung Deutschlands sahen. Schließlich sind ergänzend noch weitere Berichte von anderen Reportern, hauptsächlich des unter sowjetischer Aufsicht stehenden Berliner Rundfunks angeführt. In diesen Quellen zeigt sich deutlich, wie die unterschiedlichen Konzeptionen der Siegermächte für Deutschland auch den Reportagen der jeweiligen Berichterstattern eine unterschiedliche Färbung verliehen haben. Darüber hinaus erhoffen sich die Herausgeber, daß sie einen kleinen Beitrag zu einer verstärkten Erforschung der Rolle des Rundfunks als Medium im 20. Jahrhundert leisten können. Die Bedeutung, welche dem Radio gerade in der unmittelbaren Nachkriegszeit von den Alliierten beigemessen wurde, steht nach wie vor in keinem Verhältnis zum wissenschaftlichen Interesse.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.313 | 2.312 | 2.333
Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Ansgar Diller / Wolfgang Mühl-Benninghaus (Hrsg.): Berichterstattung über den Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945/46. Potsdam: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7623-berichterstattung-ueber-den-nuernberger-prozess-gegen-die-hauptkriegsverbrecher-194546_10125, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10125
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Dr., Politikwissenschaftler.
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