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/ 05.06.2013
Matthias Kaufmann

Aufgeklärte Anarchie. Eine Einführung in die politische Philosophie

Berlin: Akademie Verlag 1999 (Edition Philosophie); 278 S.; pb., 54,- DM; ISBN 3-05-002935-8
Es ist selten geworden, das anarchistische Credo zum Gegenstand einer umfassenden Gesellschaftsphilosophie zu nehmen, aber genau dies tut Kaufmann. Nicht die Untersuchung anarchistischer Theorien, sondern deren Neuschöpfung als Fortentwicklung des aus der Aufklärung stammenden modernen Staates ist sein Ziel. Dazu greift Kaufmann auf aristotelische Kategorien der natürlichen Sozialität des Menschen zurück, deren Gemeinschaftsbildung aber immer wieder spielerisch durch die Kunst in Frage gestellt werden muß, wenn die dynamische Weiterentwicklung der Gesellschaft wie des Individuums gelingen soll. Kaufmann verknüpft kenntnisreiche ideengeschichtliche Abschnitte mit einer immer wieder beigegebenen großen Dosis von common sense, die auf die Grenzen des Freiheitsstrebens hinweist. Andererseits stehen dem aber auch wieder Behauptungen über die Entwicklungsfähigkeit des Menschen gegenüber, die entgegen den Beteuerungen des Autors einen entschieden utopischen Charakter haben. Gleichheit und Freiheit werden umeinander herumgeführt, und irgendwie-irgendwo wird es jedem Leser recht gemacht. Gleichwohl, als ein ungewöhnlicher, postmoderner und zugleich in der Geschichte politischen Denkens wurzelnder Versuch verdient dieses Buch, gelesen und zudem nach-gedacht zu werden Inhalt: Einleitung: Warum aufgeklärte Anarchie? I. Der Zwang gegen das Individuum als Grundphänomen des Politischen in der Neuzeit. 1. Das Menschenbild als Begründung des Zwanges; 2. Die unsichtbaren Fesseln der Moral: Kann man sie abschaffen?; 3. Glanz und Elend der Vertragsmetapher. II. Unter Menschen sein heißt nicht nur Zwang. Muß sich die Gemeinschaft vor dem Individuum rechtfertigen? 1. Der Mensch als Gemeinschaftswesen; 2. Politische Gemeinschaft - Bürgergemeinschaft; 3. Zwang durch Sozialisation. III. Wer darf zwingen, warum, wozu und wie? 1. Legitimitätsprinzipien und ihre Anwendung; 2. Die Methoden staatlichen Zwanges: Steuer und Strafe. IV. Die Grenzen des Zwanges: Rechte. 1. Bürgerrechte, Menschenrechte; 2. Freiheit; 3. Wie gleich sind die Menschen und was folgt daraus?; 4. Ein natürliches Recht auf Eigentum? V. Anarchie als Methode. 1. Ehrenhaft auf der Suche; 2. Kunst, Erschütterung und Redlichkeit; 3. Die Gemeinschaft freier, gleicher Übermenschen.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Matthias Kaufmann: Aufgeklärte Anarchie. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7063-aufgeklaerte-anarchie_9451, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9451 Rezension drucken
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