Skip to main content
/ 05.06.2013
Wolfgang Brückner

"Arbeit macht frei" Herkunft und Hintergrund der KZ-Devise

Opladen: Leske + Budrich 1998 (Otto-von-Freising-Vorlesungen der Katholischen Universität Eichstätt 13); 140 S.; kart., 24,80 DM; ISBN 3-8100-2207-1
Kaum eine NS-Parole ist bekannter als das zynische "Arbeit macht frei", das in die Torbögen zu den Konzentrationslagern in Dachau und Auschwitz geschmiedet war. Ihre Herkunft ist dagegen kaum bekannt. Der Autor, Germanist und Ethnologe, unternimmt in diesem Band die Arbeit, ihre Entstehung bzw. ihre Ursprünge zu rekonstruieren. Er konstatiert zwei voneinander unabhängige Quellen im 19. Jahrhundert: einen Roman von Lorenz Diefenbach (erschienen 1872), dessen Titel die Parole vorwegnimmt, sowie, fünfzig Jahre später, ein Poesiealbum des "Deutschen Schulvereins" in Wien, in dem sich der Satz auf vielen der Klebebildchen wiederfindet. Beide Quellen stehen in einem ähnlich national-konservativen bzw. "deutschtümelnden" Umfeld. Der Autor zeigt, wie das Motto "Arbeit macht frei" um die Jahrhundertwende in einen größeren Kontext ähnlicher Vorstellungen und Sinnsprüche zum Thema Arbeit eingebettet war (z. B. "Arbeit ist mein Vergnügen", "Arbeit besiegt alles"). Davon ausgehend, leitet er die gegenwärtige Krise der Arbeitsgesellschaft aus dem Wandel des Begriffes der Arbeit im 19. und 20. Jahrhundert her. Hier analysiert er den Begriff der "deutschen Arbeit" ebenso wie den Zusammenhang von "Freiheit" und "Arbeit" und kommt zu dem Schluß: "Die moderne Moral der dichotomischen Gegenüberstellung von Arbeit und Müßiggang sowie die säkularisierende Verkürzung von Gebet auf Arbeit, schließlich die Ethnisierung universal gedachter Lebensordnungen ließen 'nationale Arbeit' zunehmend biologistisch mißverstehen. [...] Aus dem modernen Mythos des schließlich für spezifisch deutsch gehaltenen Arbeitsgeistes erwuchs eine der Vernichtungsstrategien des Völkermords." (91 f.)
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.3122.3112.24 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Wolfgang Brückner: "Arbeit macht frei" Opladen: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7474-arbeit-macht-frei_9959, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 9959 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA