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/ 22.06.2013
Marc Höchli

The Invisible Scissors. Media Freedom and Censorship in Switzerland

Bern u. a.: Peter Lang 2010; 359 S.; 61,40 €; ISBN 978-3-0343-0389-7
Die Medien in der Schweiz präsentieren sich häufig als altruistische Institutionen, die dem öffentlichen Wohl dienen und den demokratischen Diskurs fördern. Laut Höchli wird diese Sichtweise zwar sowohl von der Schweizer Bevölkerung als auch von den Medienschaffenden des Landes geteilt, aber sie stehe im Widerspruch zu den Ergebnissen einer Untersuchung des Schweizer Medienwissenschaftlers Roger Blum, der Parallelen zwischen den Schwächen der schweizerischen und der russischen Medien zieht. Höchli räumt zwar ein, dass im Gegensatz zu Russland unliebsame Journalisten in der Schweiz nicht mit dem Tode bedroht würden und es auch keine behördliche Zensur gebe, stattdessen würden Medieninhalte von der Werbeindustrie beeinflusst, die durch den Entzug von Anzeigenschaltungen nachträglich eine Zensur ausübe. Vor allem aber sei die Arbeit der Medien von vornherein durch verschiedene Paragraphen des Zivil- und Strafrechtes wie dem Gesetz über unfairen Wettbewerb eingeschränkt. Höchli vertritt deshalb die These, dass die Medienfreiheit in der Schweiz durch gesetzliche, materielle und strukturelle Defizite bedroht sei. Hinter der vordergründigen Vielfalt der Schweizer Medien steckten gravierende Mängel. Ebenso bedenklich ist für ihn der Umstand, dass diese weder von Journalisten thematisiert noch von der schweizerischen Öffentlichkeit wahrgenommen würden. Höchli kritisiert des Weiteren, dass die Menschen von einer steigenden Anzahl von Publikationen mit immer mehr Informationen überflutet würden, die die Bevölkerung immer weniger als verantwortliche Bürger, sondern in erster Linie als Konsumenten, die unterhalten werden wollten, ansprechen. Die Bedeutung bestimmter Informationen gehe dabei oft verloren. „One might say that we are overnewsed but underinformed“ (294). Die gravierendsten Probleme sieht der Autor allerdings in systeminhärenten Faktoren, wie der Nähe der Medien zu bestimmten Interessengruppen und zur politischen Macht sowie ihrer Rolle bei der Aufrechterhaltung einer oppressiven schweizerischen Kultur des Konsenses.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.52.22 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Marc Höchli: The Invisible Scissors. Bern u. a.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32687-the-invisible-scissors_39023, veröffentlicht am 13.10.2010. Buch-Nr.: 39023 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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