/ 20.06.2013
Jens Ivo Engels
Naturpolitik in der Bundesrepublik. Ideenwelt und politische Verhaltensstile in Naturschutz und Umweltbewegung 1950-1980
Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2006; 480 S.; 58,- €; ISBN 978-3-506-72978-1Geschichtswiss. Habilitationsschrift Freiburg i. Br.; Gutachter: U. Herbert, J. Rüland. – Die Ökologiebewegung der siebziger Jahre werde aus gutem Grund als einer der wichtigsten Schrittmacher des gesellschaftlich-politischen Wandels betrachtet, schreibt Engels. Er fragt allerdings nicht, warum es zu dieser Bewegung kam, „sondern wie das Problem der bedrohten Natur in der Bundesrepublik Deutschland im politischen Raum bearbeitet wurde“ (20). Mit dem Begriff Naturschutz wird das Thema eingegrenzt auf die Erhaltung von natürlichen und naturnahen Lebensräumen, Pflanzen und Tieren. Im Mittelpunkt stehen die Akteure der mittleren Ebene, betrachtet werden Verbände, Proteste und Mediendarstellung und dies vor allem mit den Schwerpunkten „Ideenwelt und ‚Verhaltensstil’“ (24). Diesem handlungsorientierten Ansatz folgt im ersten Teil eine Darstellung der fünfziger und sechziger Jahre. Beschrieben werden u. a. das Naturparkprogramm des Vereins Naturschutzpark, die Arbeit des Deutschen Rats für Landespflege sowie vorökologische Umweltkonflikte unter dem Blickwinkel, wie sich Protest formierte. Im zweiten Teil beschäftigt sich Engels mit der Entstehung der Umweltbewegung in den siebziger Jahren und zeigt die Sensibilisierung der öffentlichen Meinung auch durch Tierfilme im Fernsehen. „Die Tierfilmer erschlossen dem Naturschutz wichtige Ressourcen, nämlich Spendengelder (Grzimek), ein Massenpublikum (Grzimek, Sielmann, sogar Stern) und ein Qualitätspublikum (Stern)“ (273). Der Begriff Umweltschutz selbst sei allerdings eine bürokratische Sprachschöpfung der Bundesregierung 1969 gewesen, schreibt Engels weiter. Als neue Akteure entstanden dann Umweltschutzinitiativen, der BUND wurde gegründet. Ausführlich wird außerdem der Protest gegen das Atomkraftwerk Wyhl dargestellt. Schließlich verweist Engels auf die Fähigkeit der Akteure, untereinander Brücken zu schlagen, auf die Parteigründung der Grünen, aber auch auf die Staatsorgane, die mit Blick auf den Naturschutz „eher flexibel als starr, eher lernbereit als autoritär handelten“ (426).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.341 | 2.313 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jens Ivo Engels: Naturpolitik in der Bundesrepublik. Paderborn u. a.: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25641-naturpolitik-in-der-bundesrepublik_29750, veröffentlicht am 07.04.2008.
Buch-Nr.: 29750
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