/ 05.06.2013
Martin Kirsch
Monarch und Parlament im 19. Jahrhundert. Der monarchische Konstitutionalismus als europäischer Verfassungstyp - Frankreich im Vergleich
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1999 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 150); 476 S.; Ln., 98,- DM; ISBN 3-525-35465-7Auch in verfassungsgeschichtlicher Hinsicht ist die These vom deutschen Sonderweg vertreten worden. Ihr widerspricht Kirsch: "Bei dem monarchischen Typ des Konstitutionalismus handelt es sich also nicht um einen bestimmten nationalstaatlichen Typus, sondern um einen nationalstaatsübergreifenden, europäischen Typus - er verkörperte den verfassungshistorischen 'Normalfall' der europäischen Verfassungsentwicklung im 19. Jahrhundert". (24) Eine grundsätzliche Eigenart der deutschen Verfassung sieht er nur in der föderalen Struktur Deutschlands; denn der Vergleich mit den europäischen, besonders der französischen Verfassungen zeigt, "daß die Rahmenbedingungen der Verfassung in Deutschland sehr 'europäisch' waren und durchaus die Möglichkeit einer anderen politischen Entwicklung bestanden hätte" (400).
Zu Recht verweist der Autor auf die Aktualität seiner Untersuchung, sowohl hinsichtlich der Einführung des Verfassungsstaates in Ost- und Mitteleuropa als auch hinsichtlich der EU: "Auch das politische Zusammenwachsen der EU befindet sich - unter dem Blickwinkel des Konstitutionalismus betrachtet - noch in den Kinderschuhen. Denn die Machtkontrolle der Regierung durch das Europäische Parlament bewegt sich bislang auf einem ähnlichen Niveau wie der Verfassungsstaat im 19. Jahrhundert" (411).
Aus dem Inhalt: I. Einleitung: Begriff des Konstitutionalismus und vergleichende Methode: 1. Forschungsstand, Fragestellung der Studie und methodische Probleme einer vergleichenden europäischen Verfassungsgeschichte; 2. Probleme des Begriffs "Konstitutionalismus"; 3. Konsequenz der eigenen Begriffsbildung für die Vorgehensweise der Studie; 4. Begriffsgeschichtliche Skizze des deutschen Wortgebrauchs von "Konstitutionalismus"; 5. Monarchische und andere Formen des Konstitutionalismus in Frankreich im 19. Jahrhundert (1789-1877/79) - ein Überblick. II. Der monarchische Konstitutionalismus Frankreichs und seine Erscheinungsformen im europäischen Vergleich: 1. Das dominierende Parlament in der konstitutionellen Monarchie. Die französischen Verfassungen von 1791 und 1830 vornehmlich im Vergleich zu Belgien 1831 und Piemont-Italien 1848/60; 2. Zwischen Bonapartismus und hegemonialer Verfassungspolitik: die napoleonische Variante des Konstitutionalismus im europäischen Vergleich; 3. Der monarchische Konstitutionalismus mit Vorrang des Königs. Die französische Charte 1814 vornehmlich im Vergleich zu deutschen Verfassungen; 4. Frankreichs Übergang zum parlamentarisch-demokratischen System 1870-1877/79 - ein Ausblick. III. Fazit: Der monarchische Konstitutionalismus als Verfassungstyp des 19. Jahrhunderts im Spannungsfeld von nationalstaatlicher Entwicklung und europäischen Gemeinsamkeiten.
Heinz-Werner Höffken (Hö)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.61
Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Martin Kirsch: Monarch und Parlament im 19. Jahrhundert. Göttingen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8414-monarch-und-parlament-im-19-jahrhundert_11100, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 11100
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
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