/ 04.06.2013
Monika Kaiser
Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker. Funktionsmechanismen der SED-Diktatur in Konfliktsituationen 1962 bis 1972
Berlin: Akademie Verlag 1997 (Zeithistorische Studien 10); 480 S.; geb., 78,- DM; ISBN 3-05-003121-2Bei der Gegenüberstellung der beiden Parteisekretäre schneidet Ulbricht in Kaisers Darstellung besser ab als Honecker. Dabei soll Ulbricht allerdings nicht als der "'Bessere'" oder "'Klügere'" (457) charakterisiert bzw. der Eindruck erweckt werden, als hätte Ulbricht letztendlich in den siebziger Jahren eine andere Politik als sein Nachfolger Honecker betreiben können. Kaiser betont, daß auch Ulbricht (ebenso wie Honecker) "trotz landesväterlicher Profilierung [...] ein selbstherrlicher, autoritärer Herrscher blieb" (457). Es wird deutlich, daß die Innen- und Außenpolitik im Untersuchungszeitraum vor allem auf die sowjetische Führungsmacht ausgerichtet wurde, wobei allerdings immer noch genügend Spielraum zur Modifizierung der jeweiligen Vorgaben aus Moskau blieb, was zum Beispiel die Wirtschaftsreformen betrifft. Begünstigt wurde der Machtwechsel in Ostberlin von Ulbricht zu dem in den sechziger Jahren politisch eher blassen Honecker durch die Entwicklung in Moskau. Honecker als "Interessenvertreter der Parteibürokratie" dominierte schließlich ab Mitte der sechziger Jahre gegenüber dem Reformflügel der SED um so mehr, als mit Leonid Breschnew die Sowjetunion verstärkt die DDR-Wirtschaft für eigene Aufrüstungszwecke instrumentalisieren wollte und insofern Reformen ablehnte. Kaiser kann durch bisher unveröffentlichte SED-Dokumente und eine Reihe von Zeitzeugenbefragungen ein farbiges Bild der Machtkämpfe zwischen dem reformerischen und dem reaktionären Parteiflügel zeichnen.
Inhaltsübersicht: I. Wandel in der SED und tendenzielle Veränderungen im Herrschaftssystem der DDR bis zur Mitte der sechziger Jahre; II. Das Wagnis der Wirtschaftsreform 1962 bis 1966; III. Erstickte Liberalisierungstendenzen in der Jugend- und Kulturpolitik; IV. Einheit und Konflikt in außenpolitischen und speziell deutschlandpolitischen Fragen 1965 bis 1970; V. Das Ende der Ära Ulbricht.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.313
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Monika Kaiser: Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker. Berlin: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3731-machtwechsel-von-ulbricht-zu-honecker_4990, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 4990
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Dr., Historiker.
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