/ 21.06.2013
Gregor Waschinski
Gott in die Verfassung? Religion und Kompatibilität in der Europäischen Union
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2007 (Münchner Beiträge zur europäischen Einigung 16); 118 S.; brosch., 19,- €; ISBN 978-3-8329-2637-3Politikwiss. Diplomarbeit München; Gutachter: E. Grande. – Der Streit um den Gottesbezug in der Präambel des Vertrages für eine Verfassung für Europa machte deutlich, dass sich die EU mit ihrem Verhältnis zur Religion auseinandersetzen muss. In der Frage nach dem Verhältnis von Religion und Politik bzw. Staat und Kirche innerhalb der EU zeigte sich, dass dieses Thema politisches Konfliktpotenzial in sich birgt. Anschaulich wird dies im Falle der Frage nach der Vereinbarkeit der eigenen nationalen kulturellen wie religiösen Strukturen mit jenen auf supranationaler Ebene. Waschinski dient das Modell des europäischen Mehrebenensystems als theoretischer Rahmen, in dem er die Religion als europäisches Kompatibilitätsproblem, genauer als konstitutionelles Kompatibilitätsproblem beschreibt. Dies zeige sich im Spannungsfeld zwischen supranationalen und nationalen Verfassungsstrukturen. Im Bezug auf die Präambel bestätigt sich diese These darin, dass die Mitgliedstaaten versucht haben, ihre jeweilige religiöse Positionierung auf die supranationale Ebene zu transferieren und diese dadurch zu prägen. Im Zusammenhang mit der Rolle der Religion im Gefüge der EU stellt Waschinski dabei zwei Inkompatibilitäten fest: 1. religionsstrukturelle und -kulturelle Divergenzen, 2. Herausforderungen der nationalen religionspolitischen Verhältnisse durch eine religionsrechtliche Struktur auf Ebene der EU. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Frage nach der religiösen Selbstpositionierung der EU und den gerade dadurch entstehenden Bereich möglicher konstitutioneller Kompatibilitätsprobleme. Der Autor schließt mit den Beobachtungen, dass die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Religion und Politik innerhalb der EU zunehme, dies gehe z. T. auf die Herausbildung eines EU-Religionsrechts zurück. Weiterhin sei klar, dass die Religion einen festen Platz auf der Agenda der EU einnehme; so müsse sie sich künftig vermehrt grundsätzlichen Fragen zum Verhältnis von Politik und Religion sowie Staat und Kirche stellen.
Timo Freudenberger (TF)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 3.2
Empfohlene Zitierweise: Timo Freudenberger, Rezension zu: Gregor Waschinski: Gott in die Verfassung? Baden-Baden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27951-gott-in-die-verfassung_32840, veröffentlicht am 03.12.2007.
Buch-Nr.: 32840
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA