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/ 05.06.2013
Klaus-Dieter Müller / Annegret Stephan (Hrsg.)

Die Vergangenheit läßt uns nicht los. Haftbedingungen politischer Gefangener in der SBZ/DDR und deren gesundheitliche Folgen. Mit einer Einführung von Karl Wilhelm Fricke

Berlin: Berlin Verlag Arno Spitz GmbH 1998; 275 S.; 29,- DM; ISBN 3-87061-812-4
Günter Grass befand bekanntlich, bei der DDR habe es sich um eine "kommode Diktatur" gehandelt. Ob dieses Urteil Ignoranz oder Zynismus zum Ausdruck brachte, ist schwer zu entscheiden; daß es eines von beidem gewesen sein muß, wird dem unmittelbar evident, der sich den in diesem Buch geschilderten Schrecknissen stellt. Es ist von den Haftbedingungen der politischen Häftlinge in der DDR die Rede - und es ist von Folter die Rede, physischer und psychischer. Das Schweigegebot des totalitären Systems, aber auch die Traumatisierung durch die Haft macht es noch heute vielen Opfern schwer, das Erlittene zur Sprache zu bringen. Dieses Buch verleiht den Opfern eine Stimme, wenn es "empirische und demoskopische Daten zur Haft und zu ihren Auswirkungen" mit "Erlebnisberichte[n] und "schonungslose[n] Selbstauskünfte[n]" (12) ehemaliger Häftlinge kombiniert. Der Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg, dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden und Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ist es zu danken, daß die Unwissenheit bezüglich der Internierungspraxis in der DDR durch Informationsveranstaltungen verringert wird. Eine dieser Veranstaltungen fand ihren Niederschlag in dem vorliegenden Band. Inhaltsübersicht: Klaus-Dieter Müller: "Jeder kriminelle Mörder ist mir lieber..." Haftbedingungen für politische Häftlinge in der Sowjetischen Besatzungszone und der Deutschen Demokratischen Republik und ihre Veränderungen von 1945-1989 (15-137); Falco Werkentin: Zur Dimension politischer Inhaftierungen in der DDR 1949-1989 (139-152); Friedhelm Boll: Beobachtungen aus lebensgeschichtlichen Interviews mit Verfolgten des Nationalsozialismus und mit Verfolgten der SBZ/frühen DDR (153-172); Klaus Behnke / Stefan Trobisch: Panik und Bestürzung auslösen. Die Praxis der 'operativen Psychologie' des Staatssicherheitsdienstes und ihre traumatisierenden Folgen (173-195); Doris Denis: Posttraumatische Störungen nach politischer Inhaftierung in der DDR (197-214); Michael Bauer: Anhaltspunkte für die ärztliche Begutachtungspraxis bei psychischen Störungen nach politischer Haft in der DDR (215-225); Andreas Maercker: Psychotherapie bei Opfern politischer Verfolgung in der DDR (227-250); Werner Seifert: Über das Weiterleben nach den Toden. Zur Psychologie der Opfer totalitärer Systeme (251-263).
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.3132.35 Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: Klaus-Dieter Müller / Annegret Stephan (Hrsg.): Die Vergangenheit läßt uns nicht los. Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7292-die-vergangenheit-laesst-uns-nicht-los_9722, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9722 Rezension drucken
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