Skip to main content
/ 22.06.2013
Thomas Hecken

Das Versagen der Intellektuellen. Eine Verteidigung des Konsums gegen seine deutschen Verächter

Bielefeld: transcript Verlag 2010 (xtexte); 247 S.; 21,80 €; ISBN 978-3-8376-1495-4
In einer essayartig vorgetragenen Zeitdiagnose lässt Hecken die Konsumkritik, welche die Geschichte der Bundesrepublik von intellektueller, publizistischer wie politischer Seite immer wieder begleitet hat, Revue passieren. Das im Titel postulierte Versagen der Kritiker bezieht sich zum einen auf die Tatsache, dass mit der moralischen Abwertung des Konsums dessen unbestrittene Bedeutung für die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung negiert wird, was einer differenzierteren Analyse im Weg steht. Zu anderen ist es trotz aller Anstrengungen offensichtlich nicht gelungen, eine vorherrschende gesellschaftliche Entwicklung zu beeinflussen oder gar umzukehren. Darüber hinaus lässt sich drittens argumentieren, dass diejenigen, die für eine gerechtere Verteilung gesellschaftlichen Reichtums eintreten, unwiderruflich scheitern müssen, wenn sie das Konsumverhalten derjenigen, deren materielle Lage sie verbessern wollen, gering schätzen oder gar gering achten. Es ist – und das wird wiederholt deutlich – selten der Konsum im Allgemeinen, der kritisiert wird, sondern nur bestimmte Arten, die implizit oder explizit als moralisch bedenklich, wenn nicht als volksverdummend gekennzeichnet werden. Welche Konsumgüter als gesellschaftlich fortschrittlich oder wünschenswert bzw. umgekehrt als problematisch betrachtet werden, unterscheidet sich je nach politischer und ideologischer Zugehörigkeit. So zeigt Hecken anhand einer chronologischen Nacherzählung der Konsumkritik, die von Nachkriegszeit über Wirtschaftswunder, Popbewegung und Kulturkritik der 60er- und 70er-Jahre bis hin zur konservativ-neoliberalen Wende reicht, die unterschiedlichen Beweggründe und Schwerpunkte der Konsumkritik aus bildungsbürgerlicher, konservativer, links-libertärer und neoliberaler Sicht. Im letzten Teil des Buches verteidigt der Autor den Konsum, streng genommen das Reden über den Konsum. Die Abwertung des Massenkonsums verhindere nämlich nicht nur eine stärkere Auseinandersetzung über Fragen von Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit und Ausbeutungsverhältnissen. Die Konsumkritik mache es sich zudem zu einfach, indem sie die Verantwortung für Bildungsstandards und ungleich verteilte Lebensmöglichkeiten auf das Individuum abwälze, statt sie in einem umfassenderen strukturellen Zusammenhang zu sehen und die Verantwortung staatlicher Politik in den Mittelpunkt zu stellen.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.352.3312.3332.342 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Thomas Hecken: Das Versagen der Intellektuellen. Bielefeld: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33058-das-versagen-der-intellektuellen_39497, veröffentlicht am 15.02.2011. Buch-Nr.: 39497 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA