/ 22.06.2013
Daniel Buhr
Chaos oder Kosmos? Die Koordination der Innovationspolitik des Bundes – Probleme und Lösungsansätze
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Wirtschafts- und Sozialpolitik 4); 266 S.; 39,- €; ISBN 978-3-8329-5504-5Diss. Tübingen; Gutachter: J. Schmid, R. Heinze. – Das Betätigungsfeld staatlicher Innovationspolitik und die Zahl ihrer Akteure ist groß, letztere sind auf kommunaler und regionaler, auf Länder-, Bundes- und EU-Ebene tätig. Buhr konzentriert sich auf die Frage, in welcher Weise die Innovationspolitik des Bundes koordiniert wird. Ihm geht es um das Government innerhalb der Bundesregierung als dem dominanten innovationspolitischen Akteur. Unter dem Begriff Koordination versteht er generell das Abstimmen verschiedener Aktivitäten aufeinander, das im konkreten Kontext in unterschiedlichen Variationen auftritt. Die „Koordinierungstrias” erstrecke sich „vom Wirtschaftssystem (koordinierter Kapitalismus) über das politische System (koordiniertes politisch-administratives System) bis hin zur Innovationspolitik“ (12). Die Innovationspolitik habe in den vergangenen Jahren nicht nur stark an Bedeutung gewonnen, so der Autor, sondern auch immer stärker in andere Politikbereiche hineingewirkt: Förderprogramme des Bundesbildungs-, Wirtschafts-, Umwelt- oder Verteidigungsministeriums stießen auf eine Vielzahl von Regulierungen aus dem Bereich des Innen-, Finanz- oder Arbeitsministeriums, die das Innovationssystem – häufig indirekt – beeinflussten. Die Ressortkoordination zähle zu den elementaren Voraussetzungen für eine effektive Regierungspolitik. Um diese zu eruieren, wendet Buhr Erkenntnisse der betriebswirtschaftlichen Organisationsforschung an und gelangt zu dem Ergebnis, dass der Querschnittscharakter der Innovationspolitik den Prozess ihrer Politikformulierung erschwert. Die Akteure müssten ihre Anliegen durch ein unübersichtliches Meer an Zuständigkeiten, Programmen und Akteuren steuern, deren Konkurrenz um Kompetenzen ein bestimmendes Muster sei. Der Wettbewerb um Wähler, Klientel und Programme verharre oftmals im Spannungsfeld zwischen Stagnation und interministeriellen Konflikten. Eine „Inkorporierung von Teilpolitiken in einem Ministerium“ (225) – vergleichbar dem Umweltministerium – würde die Zahl möglicher autonomer Konfliktpartner reduzieren und die schnelle Formulierung konsistenter Lösungsvorschläge ermöglichen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.342 | 2.322 | 2.325
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Daniel Buhr: Chaos oder Kosmos? Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32607-chaos-oder-kosmos_38916, veröffentlicht am 08.12.2010.
Buch-Nr.: 38916
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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