/ 21.06.2013
Wolfgang Gründinger
Aufstand der Jungen. Wie wir den Krieg der Generationen vermeiden können
München: C. H. Beck 2009 (Beck'sche Reihe 1887); 267 S.; 12,95 €; ISBN 978-3-406-58685-9Der demografische Wandel stellt Politik und Gesellschaft vor zahlreiche Herausforderungen. Auf Umweltgipfeln, in Haushaltsdebatten und in Diskussionen um Rentenreformen wird das Prinzip der Nachhaltigkeit beschworen, um die Interessen künftiger Generationen nicht zu vernachlässigen. Doch der Autor kritisiert die Überspitzung und unsachliche Schilderung dieses demografischen Wandels. Er spricht von einem durch die Medien inszenierten „Krieg der Generationen“ (7) in einer „katastrophistischen Berichterstattung“ und von einer sie begleitenden „Hysterie“ (39). Gründinger sieht das politische Klima bereits vergiftet und warnt vor einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Umfassend und mit Bezug auf Erkenntnisse der Wissenschaft schildert er Gegebenheiten, Konsequenzen und auch Chancen des demografischen Wandels. Einleitend entlarvt er die Rolle von „Nachhaltigkeit als Kampfbegriff“ (22). Die klassische Orientierung des Begriffs am Schutz des natürlichen Lebensraums, der die Grundlage für wirtschaftliche Tätigkeit und sozialen Ausgleich bilde, sei geradezu verkehrt worden: „Ökologische Ziele sollen mit dem Nachhaltigkeitsargument unterlaufen werden.“ (23) Ebenso zitiert der Autor die Ergebnisse einer Diskursanalyse des Politikwissenschaftlers Frank Nullmeier, derzufolge der demografische Wandel zu einem der Hauptargumente geworden ist, „wenn man die sozialen Sicherungssysteme demontieren will“ (46). Tatsächlich sei der Zustand des Sozialsystems aus ganz anderen Gründen prekär, so der Autor. Die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1950 und 1970 befinden sich in der Erwerbszeit, während die aktuelle Rentnergeneration infolge des Zweiten Weltkriegs noch relativ klein sei. Das zentrale Problem sei vielmehr die Arbeitslosigkeit: Von circa 55 Millionen Menschen erwerbsfähigen Alters zahlen nur 26 Millionen in die Sozialkassen ein. Als Strategie schlägt Gründinger neben dem Festhalten am Umlageverfahren eine moderate aktive Geburtenpolitik für mehr Kinder, eine aktive Zuwanderungspolitik und ein Management des Alterns, u. a. durch längere Erwerbstätigkeit, vor.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.342 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Wolfgang Gründinger: Aufstand der Jungen. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30648-aufstand-der-jungen_36399, veröffentlicht am 13.10.2009.
Buch-Nr.: 36399
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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