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/ 27.03.2014
Dario Velo / Francesco Velo

A Social Market Economy and European Economic Monetary Union

Bern u. a.: Peter Lang 2013; 174 S.; 51,70 €; ISBN 978-3-0343-1291-2
Dario und Francesco Velo fokussieren einen ‚wunden Punkt’ in der Integrationsgeschichte der Europäischen Union, nämlich die Frage, was genau die EU eigentlich sein möchte – hinsichtlich ihrer Verfasstheit als Staat, als Gesellschaft, als Wirtschaftsstandort, aber auch als Wertegemeinschaft. Sie sehen den gegenwärtigen Stand der europäischen Integration an einem Punkt angekommen, an dem sich zwei Optionen für die ökonomische wie soziale Ausgestaltung anbieten. Die eine folgt dem Ideal einer möglichst weitgehenden, mit der Globalisierung kompatiblen Marktsteuerung ohne institutionelle Einhegung, verbunden mit einem radikalen Werterelativismus. Die andere ist im Aufbau komplexer und bezieht diverse Elemente wirtschaftlicher, politischer und sozialer Organisation mit ein: „A second perspective is appearing now as a convergence of new ideals, and includes a new humanism, a social market economy, neoliberalism (orderly relations between the state and markets), human rights, federalism and subsidiarity.“ (7) Unterstellt man, dass die Autoren mit ‚neoliberalism’ hier eine ordoliberale Vorstellung meinen, die sie von einem nicht regulierten Marktradikalismus unterscheiden, dann ist ihre Projektion bemerkenswert. Denn sie unterstellen, im Zuge einer Aufarbeitung der vergangenen Jahrzehnte europäischer Integrationspolitik, dass die EU eher der zweiten Entwicklungslogik folgen müsse, um international erfolgreich zu bleiben. International erfolgreich heißt für sie – unter einer nicht minder erstaunlichen Außerachtlassung der BRIC‑Staaten – insbesondere in Kooperation mit den USA: „In this context the crucial issue is therefore whether a social market economy can become a shared objective for the European Union and the United States in order to integrate these two societies while acknowledging their differences.“ (158) Dass diese transatlantische Brücke zwischen den USA und der EU zudem auch einer Absage an den derzeit aus Sicht der Autoren zu dominanten Werterelativismus bedarf, scheint an vielen Stellen des Buches immer wieder durch. Insgesamt, so der Eindruck, wollen Velo und Velo viel zusammenführen: Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Wertevorstellungen, und das noch für die EU und die USA, so viel, dass eine – für jeden einzelnen Aspekt erforderliche – detaillierte Debatte nicht mehr möglich ist. Das ist schade, denn so präsentiert sich der Band in seinen Ausführungen und der Argumentation als zu kursorisch.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 3.53.1 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Dario Velo / Francesco Velo: A Social Market Economy and European Economic Monetary Union Bern u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36908-a-social-market-economy-and-european-economic-monetary-union_45027, veröffentlicht am 27.03.2014. Buch-Nr.: 45027 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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