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/ 22.06.2013
Jutta Ditfurth

Worum es geht. Flugschrift

Berlin: Rotbuch Verlag 2012; 47 S.; brosch., 3,99 €; ISBN 978-3-86789-154-7
Die Politikerin Jutta Ditfurth vertritt die These, dass der Kapitalismus einerseits mehr und mehr seine sozialen Erscheinungsformen verändert, andererseits aber seine grundsätzlichen Merkmale beibehält. Zu Letzteren zählt sie u. a. eine immer größer werdende menschliche Entfremdung, individualistisches und gewinnorientiertes Denken sowie die Ausbeutung von Millionen von Menschen. Gerade diese ausgebeuteten Menschen befinden sich zunehmend auf anderen Kontinenten, weswegen sie als Fremde – also Unerwünschte – stigmatisiert und außerhalb der kapitalistischen Wohlstandswelt ihr Leben fristen. Das Perfide für Ditfurth ist allerdings, dass vielfach die Überbevölkerung als Grund für die heutigen Probleme wie Armut, Hunger und die Zerstörung der Natur und eben nicht die eigentlich ursächlichen kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen genannt werden. „Wenn Menschen als überzählig gelten und ihr Leben angeblich die ökologischen Grundlagen ‚unserer’ unvergleichlich wertvolleren Existenz bedroht, leben sie gefährlich. Man plündert sie aus, sperrt sie in Lager, schiebt sie ab, lässt sie im Mittelmeer ertrinken, an Aids, leicht heilbaren Krankheiten oder an Nahrungsmangel sterben. Ihre Vernichtung ist lautlos. Die Sprache, in der manchmal über ihren Tod berichtet wird, und die seltsame Folgenlosigkeit demonstrativen Mitleids verraten den stählernen Willen, so viele wie möglich sterben zu lassen“ (29). Gesteigert werde diese kapitalistische Perversion noch dadurch, dass aufgrund schlechterer Schulbildung und immer raffinierterer Propaganda diese menschenverachtenden Entwicklungen nicht mehr begriffen werden. Ditfurth macht es sich daher über weite Strecken ihrer Flugschrift zur Aufgabe, die kapitalistischen Mechanismen aufzudecken und die drohenden Szenarien zu schildern. Zu Beginn des Kapitels „Was tun“ stellt sie nicht ihren eigenen Lösungsvorschlag vor, sondern setzt sich zunächst mit der Occupy-Bewegung auseinander und bescheinigt ihr „politische Unverbindlichkeit, Intellektuellenfeindlichkeit, Konfliktscheu, Harmoniestreben, Sehnsucht nach Reputation“ (37). Ditfurths eigener Vorschlag findet sich auf den letzten drei Seiten und besteht aus dem eher vage bleibenden Dreiklang „Theorie, Aktion, Organisation“ (43). Mit Ersterer ist die Kenntnis der Marx’schen Schriften gemeint, um über das analytische Handwerkszeug zu verfügen. Unter Aktion versteht Ditfurth alle Handlungen, die „aufklären, etwas verhindern, Angst überwinden, Grenzen der Legalität austesten, Erfahrungen sammeln, theoretische Erkenntnisse überprüfen, Solidarität praktizieren und strategisch gewählte Konflikte polarisieren“ (44). Das dritte Element zur Lösung der Probleme – die Organisation – sollte eine basisdemokratische Diskussionskultur sowie eine klare Struktur und Aufgabenverteilung besitzen, müsse aber auch dem Prinzip der jederzeitigen Abwählbarkeit verpflichtet sein.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Jutta Ditfurth: Worum es geht. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35054-worum-es-geht_42191, veröffentlicht am 21.06.2012. Buch-Nr.: 42191 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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