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/ 12.12.2013
Robert Lorenz

Oskar Lafontaine. Portrait eines Rätselhaften

Münster: MV-Wissenschaft 2013; 196 S.; 11,80 €; ISBN 978-3-86991-970-6
Die Facetten, die die politische Führung Oskar Lafontaines auszeichnen – abzulesen etwa bei der erfolgreichen Gründung der LINKEN –, stehen im Mittelpunkt dieses Porträts. Diesem Blickwinkel entsprechend, widmet der Politikwissenschaftler Robert Lorenz dem Werdegang Lafontaines bis 2005 den kürzesten Teil des Bandes. Herausgearbeitet werden vielmehr seine politisch relevanten Charakteristika: Der Saarländer beweise Weitsicht, gelte aber ebenfalls als Provokateur, der auch mal unbequeme Positionen vertrete und zupacke. Seine Heimatverbundenheit wirke nie provinziell. „Lafontaine und das Saarland passen gut zusammen und verleihen sich wechselseitig Stärke“ (22), so Lorenz. Zudem wisse er sich mit integren Personen zu umgeben, die ihm den Rücken frei hielten, und die Medien zu nutzen. In denen „inszeniert er sich als Intellektueller unter den Politikern, als Impulsgeber und Reformer; zugleich setzt er andere Akteure unter Zugzwang, um seinerseits am Ende als weiser Avantgardist da zu stehen, wohingegen der übrige Politikertross ihm lediglich nacheilt.“ (28) Als wichtigste Eigenschaften stellt Lorenz jedoch Lafontaines „anhaltendes Gespür für relevante Themen“ (51) und für das Ausnutzen günstiger Gelegenheiten heraus, was ihn schließlich auch 2005 nach sechs Jahren im „politischen Niemandsland“ (47) zurückgebracht habe. Auch sei Lafontaine ein brillanter Rhetoriker, der sich je nach Bühne einer kämpferischen, vereinfachenden, aber immer deutlichen Sprache bediene. „Stil und Vehemenz seiner Sprache sind damals wie heute von demagogischen und populistischen Zügen durchdrungen“ (68), Lafontaine genieße den politischen Konflikt. Der Autor führt allerdings auch die andere Seite der Erfolgsfaktoren auf, Lafontaines Unberechenbarkeit, seine Abhängigkeit von Zuspruch und Applaus, mangelnde Kritikfähigkeit, „sein unbedingter Anspruch auf umfassende Autorität“ (92) – anderen wurde schon für weniger eine narzisstische Persönlichkeit attestiert. So schmal der Band auch ist, es finden sich dennoch zahlreiche Redundanzen, wohl geschuldet der starken Fokussierung auf die mediale Darstellung, die publikumswirksamen Auftritte und die Rhetorik des Politikers. Für Lorenz ist Lafontaine ein „nachrichtenmäßig höchst erotisches Objekt“ (63), von dem er sich wohl ein wenig von seiner eigentlichen Fragestellung hat ablenken lassen.
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Robert Lorenz: Oskar Lafontaine. Münster: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36513-oskar-lafontaine_44570, veröffentlicht am 12.12.2013. Buch-Nr.: 44570 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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