/ 21.06.2013
Mary Kreutzer / Corinna Milborn
Ware Frau. Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa
Salzburg: ecowin 2008; 234 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-902404-57-2Rund 100.000 junge Frauen aus Nigeria arbeiten als Prostituierte in Europa. Die Politikwissenschaftlerinnen Kreutzer und Milborn porträtieren acht von ihnen – Joana (27), heiratete einen Frauenhändler, Lucy (24) versuchte zu fliehen, Florence (23) ging zu Fuß durch die Wüste, Linda (21) beantragte Asyl, Grace (23) versteckt sich vor den Menschenhändlern, Maria (19) weiß nicht wohin, Loveth (35) strandet in Laos, Blessing (26) ist zurück in Nigeria – und liefern dabei tiefe Einblicke in die Realitäten des Frauenhandels und der Zwangsprostitution. Die erschütternden Berichte der Opfer werden emotional einfühlsam erzählt und kontrastieren mit einer sachlichen Darstellung der Strukturen des internationalen Frauenhandels. Um das Netz aufzuzeigen, in dem die Betroffenen gefangen sind, sprechen die Autorinnen mit Schleppern, österreichischen Regierungsbeamten, Richtern, Freiern, Polizisten und Familienmitgliedern. Im nigerianischen Frauenhandel sind Frauen nicht nur Opfer, sondern auch Täterinnen beziehungsweise oft erst Opfer und dann Täterinnen. Die sogenannten Madames führen das Geschäft und bestellen die Ware, die ihnen dann auf qualvollen Wegen durch Afrika und Europa geliefert wird. Viele dieser bestellten Mädchen erreichen ihr Ziel nicht lebend. Misshandlungen und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Die entstandenen Reisekosten sorgen für die finanzielle Abhängigkeit der Mädchen von Ihren Zuhälterinnen, die entstandenen Traumata machen sie gefügig. Die Autorinnen liefern ein einprägsames Bild der nigerianischen Community in Europa. Sie besuchten wichtige Stationen auf dem Weg der „Ware Frau“ und versetzen sich so in die Welt der Betroffenen. Die Aktivistin im Kampf gegen den Frauenhandel Joana Adesuwa Reiterer unterstützt die Autorinnen bei ihrer Suche nach den Hintermännern des Frauenhandels. Am Ende Ihrer Reise bieten die Autorinnen politische Lösungen für eine Bekämpfung dieses globalen Phänomens an. Dazu gehören eine veränderte gesellschaftliche Wahrnehmung der Zwangsprostitution sowie die Bekämpfung der damit verbundenen Korruption.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.42 | 2.67 | 2.61 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Mary Kreutzer / Corinna Milborn: Ware Frau. Salzburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29091-ware-frau_34363, veröffentlicht am 01.07.2008.
Buch-Nr.: 34363
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Politikwissenschaftlerin.
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