/ 05.06.2013
Dirk Bavendamm
Roosevelts Krieg. Amerikanische Politik und Strategie 1937-1945
München/Berlin: Herbig 1998; VIII, 488 S.; 2., durchges. und erw. Aufl.; geb., 58,- DM; ISBN 3-7766-1820-5Wo liegen die Ursprünge des Zweiten Weltkrieges? War er nun durch Hitler provoziert und entfesselt worden, oder ist er gar das Produkt der amerikanischen Außenpolitik unter ihrem Präsidenten Franklin D. Roosevelt, dessen Strategie die Kriegsteilnahme der USA und damit ihre Position als Supermacht sicherstellen sollte? Bavendamm sah sich mit seiner Behauptung über Roosevelts Kriegsabsichten in den vergangenen Jahren wiederholt der Kritik ausgesetzt (die er auch in seinem Vorwort zitiert). Bavendamms These, die das gängige Geschichtsbild provokant angeht, ist durchaus bedenkenswert, aber aus ihr wird sich keine neue Fischerkontroverse entwickeln, da der Autor nicht nur mit dengleichen Unschärfen in der Darstellung operiert, wie er es seinen Kritikern vorwirft, sondern auch seine Urteile nicht stichhaltig belegen kann. So etwa in der Frage, ob Roosevelt vom Angriff der Japaner auf Pearl Harbor tatsächlich vorab wußte und die ungeheuren amerikanischen Verluste in Kauf nahm, um einen Kriegsgrund zu haben. Da der Autor auf unveröffentlichtes Archivmaterial verzichtet, seine neuen Erkenntnisse zum großen Teil aus der Literatur bezieht, die auch seine wissenschaftlichen Gegner nutzen, so läßt sich fragen, inwieweit eine ideologische Motivation bei Bavendamms Analyse eine Rolle spielt und inwieweit er sich selbst einer perspektivisch verengten ex-post-Betrachtung entziehen kann, wenn er Roosevelt bescheinigt, er habe von Beginn an für die USA einen Supermachtstatus erreichen wollen, den er nur durch einen Weltkrieg realisierbar gehalten habe. Insofern ist es auch nicht weit zu seinen Behauptungen, Großbritannien und Frankreich hätten Deutschland 1939 nur deshalb den Krieg erklärt, weil sie befürchteten, "sonst Roosevelts Sympathien zu verlieren" (147), oder aber, Roosevelt habe schon 1939 in Aussicht gestellt, Deutschland und Italien mit Atombomben zu belegen. Den wissenschaftlichen Nachweis für seine Urteile bleibt Bavendamm in beiden (und anderen Fällen) schuldig.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Dirk Bavendamm: Roosevelts Krieg. München/Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6637-roosevelts-krieg_8962, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8962
Rezension drucken
Dr., Historiker.
CC-BY-NC-SA