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/ 05.06.2013
FIAN (Hrsg.)

Food First. Mit Menschenrechten gegen den Hunger

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 1998 (Dietz Taschenbuch 80); 199 S.; 19,80 DM; ISBN 3-8012-3080-5
Wiewohl in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 mit den bürgerlichen und politischen Rechten zugleich soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rechte verankert wurden, wurde und wird ihre Umsetzung und Durchsetzung in der internationalen Menschenrechtspolitik jeweils auf getrennten Gleisen verfolgt. Den Grundstein dazu legte ihre Aufspaltung in zwei Internationale Pakte im Jahre 1966: den sogenannten Bürgerrechts- oder Zivilpakt und den sogenannten Sozialpakt. Auf den großen UN-Weltkonferenzen der letzten Jahre wurde erneut die Unteilbarkeit der Menschenrechte bekräftigt. Gleichwohl genießen bürgerliche und politische Menschenrechte nach wie vor nahezu ungeteilte Aufmerksamkeit in der Menschenrechtspolitik der UN und der Einzelstaaten wie auch der meisten internationalen Nichtregierungsorganisationen, während soziale und wirtschaftliche Rechte immer noch nachrangig behandelt werden. Einige der wenigen Ausnahmen im Bereich der internationalen Nichtregierungsorganisationen stellt FIAN (FOOD FIRST Informations- & Aktionsnetzwerk) dar, die sich insbesondere für das Recht auf Nahrung einsetzt und mit ihren Aktionen und Kampagnen auf allen Kontinenten präsent ist. Kaum ein Menschenrecht wird häufiger verletzt als das auf Nahrung: Weltweit leiden mehr als 840 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung und dies zumeist ausgerechnet dort, wo Nahrung angebaut wird, nämlich auf dem Land. Allgemeinverständlich und anhand zahlreicher Beispiele führt das Buch in die neue Debatte über wirtschaftliche sowie soziale Rechte im allgemeinen und speziell das Recht auf Nahrung ein und bietet einen Überblick über verschiedene Unrechtssituationen weltweit. Diese bestehen keineswegs nur in Ländern des Südens - beschrieben werden hier etwa die Folgen der Landlosigkeit und verhinderter Agrarreformen in Brasilien, die Zerstörung kleinbäuerlicher Produktion in Afrika durch die EU-Agrarexportpolitik, massive Landvertreibungen durch Weltbankprojekte in Indien und die Vernichtung der Existenzgrundlage durch Öl- und Goldgewinnung in Kolumbien. Auch in westlichen Industrieländern müssen Menschen hungern - in den USA sind etwa 20 Millionen Menschen von Hunger betroffen.
Julia Schmidt-Häuer (JSH)
Dr., Referentin im wissenschaftlichen Dienst der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Bremen.
Rubrizierung: 4.424.444.45 Empfohlene Zitierweise: Julia Schmidt-Häuer, Rezension zu: FIAN (Hrsg.): Food First. Bonn: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6459-food-first_8770, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8770 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA