/ 04.06.2013
Markus Steinich
"Erst wenn wir unseren Kopf in unsere eigenen Hände nehmen können ..." Subsidiaritätsförderung als Beitrag zur Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern
Münster: Lit 1997 (Studien zur Politikwissenschaft. Schwerpunkt Asien und Afrika 3); 397 S.; 59,80 DM; ISBN 3-8258-3355-0Diss. Konstanz; Erstgutachter: K. Simon. - Das Subsidiaritätsprinzip wird von Steinich als gemeingültiges Strukturprinzip verstanden, dessen geistesgeschichtlicher Hintergrund bis in die Antike zurückreicht (47). Subsidiarität wird definiert als das Ziel, übergeordnete Einheiten eines Gesamtgefüges nur dort fördernd und unterstützend eingreifen zu lassen, wo ohne ihr Eingreifen und ohne ihre Hilfestellung ansonsten wesentliches unterbleiben müßte (17). Steinich betrachtet Subsidiarität im Entwicklungszusammenhang als Ordnungsprinzip der Interaktion von Organisationen in dem Sinne, daß bei der Wahlentscheidung "lokal oder zentral" und "privat oder staatlich" grundsätzlich die kleinste Einheit favorisiert wird (344). In der Unterscheidung zwischen drei Sektoren - Staat, Markt und Gemeinschaft - ist das Subsidiaritätsprinzip als "Kompetenzvermutungsprinzip" (59) zu verstehen. Zwei Gestaltungsformen in der Entwicklungspraxis stehen dabei im Vordergrund: erstens Dezentralisierung des Staatsaufbaus und zweitens Multisektoralisierung der Trägerschaftsfrage (59). Am Fallbeispiel Mali wird die Fragestellung, ob das Subsidiaritätsprinzip eine Voraussetzung für erfolgreiche Armutsbekämpfung darstellt und wie Subsidiarität in der Entwicklungshilfe gefördert werden kann, erläutert. Im Ergebnis zeigt sich, "daß die bisherigen Dezentralisierungsreformen in Entwicklungsländern in der konzeptionellen Gestaltung [...] nicht mit dem Subsidiaritätsprinzip vereinbar waren. [...] Auch das Gestaltungsprinzip der Multisektoralisierung hat sich in der Praxis nicht durchgesetzt." (345)
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 4.44
Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Markus Steinich: "Erst wenn wir unseren Kopf in unsere eigenen Hände nehmen können ..." Münster: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4507-erst-wenn-wir-unseren-kopf-in-unsere-eigenen-haende-nehmen-koennen-_6322, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 6322
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