/ 03.06.2013
Kenichi Ohmae
Der neue Weltmarkt. Das Ende des Nationalstaates und der Aufstieg der regionalen Wirtschaftszonen. Aus dem Amerikanischen von Jutta Scherer (McKinsey & Company Inc.)
Hamburg: Hoffmann und Campe 1996 (Standort); 287 S.; geb., 49,80 DM; ISBN 3-455-11166-1Der Autor beschreibt die heute weltweit wirkenden wirtschaftlichen Kräfte. Dabei sind die Staaten durch den Einfluß der Technologie - Ohmae hebt besonders die Informationstechnologie hervor - einem Wandel unterworfen, welcher die traditionellen Beziehungen zwischen Ökonomie, Politik und Gesellschaft verändert. Zentrale Frage ist, ob angesichts eines relativ ungehinderten Grenzverkehrs von Investitionen, Industrie, Information und Individuen der Nationalstaat bei der Analyse oder gar Steuerung wirtschaftlicher Tätigkeit noch als relevante und nützliche Größe gelten kann (10 f.).
Der Autor verneint diese Frage und wirft insbesondere den Regierungen westlicher Industrienationen Unfähigkeit vor, die globale Logik zu akzeptieren. Er sieht durch das Festhalten an einer Politik, die von protektionistischen Maßnahmen, staatlichen Monopolen und Subventionen geprägt ist, den Auflösungsprozeß der Nationalstaaten noch beschleunigt (65). Für Ohmae ist langfristiger wirtschaftlicher Erfolg an einen freien Informationsfluß gekoppelt und staatliches Eingreifen nicht nur ein Zeichen für undemokratische und autoritäre Systeme, sondern in der heutigen Zeit auch Garant für den Verlust der ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit: "Denn wenn oberhalb der 5000-Dollar-Schwelle die Fragen nach der Leistung gestellt werden, richtet sich das nicht nur gegen die politischen Führer, sondern gegen das ganze politische Netz von Freunden, Mittelsmännern und Bürokraten." (70) Im Ergebnis liegt für Ohmae die einzige Hoffnung darin, "die postfeudalen Zentralisierungstendenzen unseres Zeitalters umzukehren und das wirtschaftliche Pendel in die andere Richtung schlagen zu lassen - weg von Nationen, hin zu Regionen" (206).
Insgesamt wird die Vergleichbarkeit der wirtschaftlichen Daten vom Autor sehr weit gefaßt. Der häufige Wechsel in der Darstellung zwischen empirischen Befunden und normativen Ergebnissen läßt die ausschlaggebenden Bestimmungspunkte der Bewertungen wirtschaftspolitischer Situationen verschiedener Länder und Regionen oft nicht deutlich werden.
Das neoliberale Credo von Privatisierung, Downsizing und Entbürokratisierung des Staatsapparates läßt Lösungsansätze für eine Übergangszeit in die globale Gesellschaft zumindest vermissen.
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 4.43 | 2.21 | 2.262 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Kenichi Ohmae: Der neue Weltmarkt. Hamburg: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/2774-der-neue-weltmarkt_3653, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 3653
Rezension drucken
Dipl.-Politologe.
CC-BY-NC-SA