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/ 21.06.2013
Hans-Peter Raddatz

Der Absturz. Anatomie einer Systemkrise

Berlin: wjs verlag 2009; 231 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-937989-47-1
Der Autor zeichnet das Bild eines globalen Wirtschaftssystems, das von Bankern, Managern und Politikern von einer sozialen Marktwirtschaft in eine globale Finanzwirtschaft überführt wurde. Dabei stellt Raddatz nicht nur die Finanzinstrumente selbst dar, sondern beschreibt „die Abfolge der Krisen, ihre Beschleunigung und wachsende Größenordnung“ (7) als Ergebnis eines fehlerhaften Marktmodells und des westlichen Weltbildes insgesamt. Er entwickelt in zum Teil scharfer Rhetorik eine Art Modell des kapitalistischen Kampfs der Kulturen: Die USA stellen sich als ein Imperium dar, das „die feudalen, nichtwestlichen Staaten auf US-Standards bringt und die westlichen Staaten neofeudalisiert“. So sei es lokalen Eliten möglich, ihren Wohlstand „auf Kosten depravierter Klassen und ethnischer Gruppen zu steigern“ (77). Die Merkmale anderer Kulturen genössen Priorität, solange sie wirtschaftliche Vorteile brächten, andernfalls würde sie geschwächt, bis sie sich anpassten. In diesem Kontext unterlässt es Raddatz, seinen Kulturbegriff ausführlich darzulegen, was sich sehr zum Nachteil des Textes auswirkt. So vermutet der Autor zudem einen Trend im kapitalistischen System, der nach Deregulierung strebt und erst zur Ruhe kommt, wenn „die oberen zwei Elitenprozent bei 80 Prozent des Volksvermögens angekommen sind“ (116). Jedoch sei der Trend zugunsten der USA nicht mehr stabil, seit einiger Zeit würden wichtige „Emerging Powers Networks“ (220) (China, Indien, einige islamische Staaten) zunehmend die Führungsrolle anstreben. Der Autor sieht die Motive „anderskultureller Investoren“ als Gefahr an, indem sie ihr Engagement auch „als politischen Hebel zugunsten ihrer zuwandernden Klientel“ (205) nutzen. So wachse in Europa „ein moderner, geschäftsmäßiger Islam heran, der über die Nutzung der EU-Souveränität in die EU-Staaten hineinregiert und sie zu Submerging Markets macht“ (222). Dahinter verberge sich nach Raddatz das gemeinsame Interesse von Islam und Marktglaube, den Rechtsstaat zu schwächen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.432.262 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Hans-Peter Raddatz: Der Absturz. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30691-der-absturz_36454, veröffentlicht am 26.08.2009. Buch-Nr.: 36454 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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