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/ 21.06.2013
Bob Drogin

Codename Curveball. Wie ein Informant des BND den Irak-Krieg auslöste. Aus dem Amerikanischen von Stephan Gebauer

München/Düsseldorf: Econ 2008; 431 S.; geb., 22,90 €; ISBN 978-3-430-20048-6
Ein wegen Diebstahls in seinem Heimatland per Haftbefehl gesuchter Iraker, der sich in Deutschland Asyl erschleichen wollte, erwies der US‑Regierung unter Bush unwissentlich einen großen Dienst: Unter dem Decknamen „Curveball“ berichtete Rafid Alwan dem BND von biologischen Kampfwaffen, die im Irak in mobilen Labors produziert würden. Der BND traute Alwan zwar nie so richtig über den Weg, unterließ allerdings auch alles, um ihn zu überprüfen. Stattdessen wurden seine Aussagen an MI6 und CIA weitergereicht – um die Quelle angeblich nicht zu gefährden, ließ der BND aber niemanden mit ihm sprechen. Nur einmal bekam ein Arzt im Auftrag der CIA Alwan zu Gesicht, sein anschließender Verdacht, der Iraker sei Alkoholiker, wurde ignoriert. Vielmehr stützte sich die CIA in ihrer Analyse der Gefahr, die vom Irak ausging, nun auf die Aussagen Alwans und lieferte der US‑Regierung die Begründung für den Angriff. Drogin, Korrespondent der Los Angeles Times in Washington, hat diese schier unglaubliche Geschichte detailliert rekonstruiert. Offensichtlich kamen Alwans Aussagen maßgeblichen CIA‑Mitgliedern gerade recht, wollten sie doch der US‑Regierung zu Diensten sein – und Bush hatte den UN‑Waffeninspektoren im Irak, die keine Waffen gefunden hatten, Unvermögen unterstellt. Trotz des massiven Widerspruchs einiger ihrer Mitarbeiter, die sich für die Wahrheit und den Frieden einsetzten, scheute sich die CIA dann nicht, dem damaligen US‑Außenminister Powell für seine zentrale Rede vor der UN völlig ungesicherte Behauptungen, die sich nur auf „Curveball“ stützten, als Argumente für einen Krieg in die Hand zu geben. Nach dem Einmarsch in den Irak begannen die USA völlig dilettantisch die Suche nach mobilen Laboren für biologische Waffen – gefunden wurden Container mit einer Ausrüstung für die Saataufbereitung, die unter den Augen der UN‑Inspektoren legal ins Land gelangt waren. Alwan hatte einige Zeit in dieser Anlage gearbeitet und seine Kenntnisse mit Informationen aus dem Internet über die Produktion von biologischen Waffen angereichert. Er steht noch heute unter dem Schutz des BND.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.412.634.214.222.64 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Bob Drogin: Codename Curveball. München/Düsseldorf: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29934-codename-curveball_35470, veröffentlicht am 27.01.2009. Buch-Nr.: 35470 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA