/ 12.06.2013
Alexander Ruoff
Verbiegen, Verdrängen, Beschweigen. Die Nationalgeschichte der "Jungen Freiheit" Auschwitz im Diskurs des völkischen Nationalismus
Münster: Unrast 2001; 204 S.; brosch., 13,70 €; ISBN 3-89771-406-XIm Unterschied zu Gruppierungen der "Alten Rechten", deren Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit über weite Strecken Züge einer Verleugnung des Geschehenen aufweist, operieren Akteure der "Neuen Rechten" in einer Form, die man nicht schon durch Rekurs auf historische Fakten widerlegen kann. Die sich darin zeigende strategische Intelligenz sucht Einfluss nicht über die parteipolitische Option, sondern auf dem Wege eines hegemoniepolitischen Ansatzes, der im Medium öffentlicher Deba...
Alexander Ruoff
Verbiegen, Verdrängen, Beschweigen. Die Nationalgeschichte der "Jungen Freiheit" Auschwitz im Diskurs des völkischen Nationalismus
Münster: Unrast 2001; 204 S.; brosch., 13,70 €; ISBN 3-89771-406-XIm Unterschied zu Gruppierungen der "Alten Rechten", deren Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit über weite Strecken Züge einer Verleugnung des Geschehenen aufweist, operieren Akteure der "Neuen Rechten" in einer Form, die man nicht schon durch Rekurs auf historische Fakten widerlegen kann. Die sich darin zeigende strategische Intelligenz sucht Einfluss nicht über die parteipolitische Option, sondern auf dem Wege eines hegemoniepolitischen Ansatzes, der im Medium öffentlicher Debatten "Akzeptanz für rechte Werthaltungen" sucht, um damit die "Ablösung einer zivilgesellschaftlichen und verfassungspatriotischen Selbstdefinition der Bundesrepublik Deutschland durch nationalkonservative Ordnungsmodelle" zu erreichen (9). In Anlehnung an neuere, in der Nachfolge Foucaults stehender Ansätze der kritischen Diskursanalyse setzt sich der Autor mit der Wochenzeitung "Junge Freiheit" auseinander, die als ein Sprachrohr der Neuen Rechten gelten kann. Als Quellen liegen der Arbeit Ruoffs dort publizierte Artikel der ersten Hälfte des Jahres 1995 zugrunde; ein Jahr, in dem in Deutschland bekanntlich - vor dem Hintergrund des 50. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs - eine breite Diskussion über Fragen einer angemessenen Deutung des Nationalsozialismus geführt wurde. Die Studie enthält über den diskursanalytischen Schwerpunkt hinaus eine kritische Erörterung des Konzeptes des Geschichtsrevisionismus, das der Autor - mit plausiblen Argumenten - für untauglich hält, um die Spezifik der Neuen Rechten zu untersuchen.
Inhaltsübersicht: II. Geschichtsrevisionismus - Dimensionen eines Begriffs; III. Der "selbstbewussten Nation" das Wissen um Auschwitz zumuten - und davon schweigen: III.1 Von der Schülerzeitung zur Intervention in den konservativen Diskurs; III.2 Die "selbstbewusste Nation" organisieren; III.3 Geschichte - Beschweigen, Verdrängen, Verbiegen: Größe und Tragik; III.4 Die Bedeutung von Auschwitz im Diskurs des völkischen Nationalismus.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 | 2.333 | 2.37
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Alexander Ruoff: Verbiegen, Verdrängen, Beschweigen. Münster: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13956-verbiegen-verdraengen-beschweigen_16727, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16727
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA