/ 12.06.2013
Ulrike Winkler (Hrsg.)
Stiften gehen. NS-Zwangsarbeit und Entschädigungsdebatte
Köln: PapyRossa Verlag 2000 (Neue Kleine Bibliothek 68); 272 S.; ISBN 3-89438-204-XIn der Debatte um die Entschädigung der NS-Zwangsarbeit war es zeitweise schwierig, die wesentlichen Sachverhalte zu erkennen. Die Interessen und das Taktieren der beteiligten Akteure verschleierten wichtige Punkte des Themas, zumal es nicht nur um Geld und das Ansehen der deutschen Unternehmen in der Welt ging, sondern um das gesamtdeutsche Geschichtsbild. Formal mag dies nun mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Errichtung einer Stiftung und der Entschuldigung des Bundespräsidenten Rau abgeg...
Ulrike Winkler (Hrsg.)
Stiften gehen. NS-Zwangsarbeit und Entschädigungsdebatte
Köln: PapyRossa Verlag 2000 (Neue Kleine Bibliothek 68); 272 S.; brosch., 29,80 DM; ISBN 3-89438-204-XIn der Debatte um die Entschädigung der NS-Zwangsarbeit war es zeitweise schwierig, die wesentlichen Sachverhalte zu erkennen. Die Interessen und das Taktieren der beteiligten Akteure verschleierten wichtige Punkte des Themas, zumal es nicht nur um Geld und das Ansehen der deutschen Unternehmen in der Welt ging, sondern um das gesamtdeutsche Geschichtsbild. Formal mag dies nun mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Errichtung einer Stiftung und der Entschuldigung des Bundespräsidenten Rau abgegolten sein, wäre da nicht die beständige Weigerung aus Teilen der deutschen Wirtschaft, ihren Anteil am Entschädigungsfonds zu leisten. Hinzu kommt noch, dass das Verfahren einer Anerkennung von Entschädigungsansprüchen organisatorische Hürden hat, die eine schnelle und unbürokratische Auszahlung der Gelder an die noch lebenden Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter erschwert. Der Sammelband unternimmt zur Erhellung des geschichtlichen Themas und der aktuellen Debatte einen Zweischritt. Er belegt im historischen Teil, wo, wann und von wem KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und ausländische Zivilisten zur Arbeit im Deutschen Reich gezwungen wurden. Es werden die Unternehmen und Wirtschaftszweige genannt, welche bis heute die Nutznießer dieser Barbarei sind. Im zeitgeschichtlichen Teil werden der Verlauf und die Stoßrichtung der Entschädigungsdebatte erörtert. Einige Autoren tun dies in sehr engagierten Worten. So wird der Impetus des Buches deutlich: "Es lohnt sich, über diesen Weg zu streiten und jenen Versuchen entgegenzutreten, die finanziell, politisch oder intellektuell den 'Schlußstrich' unter die nazistische Vergangenheit Deutschlands ziehen wollen." (8)
Inhalt: I. Zwangsarbeit im Nationalsozialismus: Dietrich Eichholtz: Zwangsarbeit in der deutschen Kriegswirtschaft (10-40); Manfred Weißbecker: "So einen Arbeitseinsatz wie in Deutschland gibt es nicht noch einmal auf der Welt!" (41-66); Dieter G. Meier: Arbeitsverwaltung und NS-Zwangsarbeit (67-84); Jan Erik Schulte: Das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt - Zentrale der Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen (85-107); Karola Frings: Kommunen und Zwangsarbeit (108-129); Katharina Hoffmann: Zwangsarbeit in der Landwirtschaft (130-147); Ulrike Winkler: "Hauswirtschaftliche Ostarbeiterinnen" - Zwangsarbeit in deutschen Haushalten (148-168). II. Die Entschädigungsdebatte: Thomas Kuczynski: Entschädigungsansprüche für Zwangsarbeit im "Dritten Reich" (170-185); Rolf Surmann: Trugbild. Die deutsche Entschädigungsverweigerung gegenüber den NS-Opfern (186-204); Wolf Klimpe-Auerbach: Deutsche Zivil- und Arbeitsgerichtsbarkeit und NS-Zwangsarbeit (205-221); Lothar Evers: Verhandlungen konnte man das eigentlich nicht nennen... (222-234); Ulla Jelpke / Rüdiger Lötzer: Geblieben ist der Skandal - Ein Gesetz zum Schutz der deutschen Wirtschaft (235-250); gruppe 3 frankfurt a. m.: Ressentiment und Rancune: Antisemitische Stereotype in der Entschädigungsdebatte (251-271).
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.312 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Ulrike Winkler (Hrsg.): Stiften gehen. Köln: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13179-stiften-gehen_15792, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15792
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Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
CC-BY-NC-SA