/ 12.06.2013
Manfred Peter
Rußlands Platz in Europa
Berlin: Duncker & Humblot 2001 (Dokumente und Schriften der Europäischen Akademie Otzenhausen 94); 195 S.; 50,11 €; ISBN 3-428-10393-9Im Kern geht es bei der Bestimmung des Verhältnisses Russlands zur Europäischen Union um eine Frage: Wird der Hauptnachfolgerstaat der ehemaligen Sowjetunion bereit sein, partnerschaftliche Beziehungen aufzubauen oder vielmehr darauf abzielen, eine eigenständige Rolle als eurasische Groß- beziehungsweise Führungsmacht zu suchen? Ausgehend von globalen und regionalen Kooperationsbeziehungen der EU, unterscheidet der Autor vier Modelle der Zusammenarbeit der Europäischen Union mit Drittländern: Er...
Manfred Peter
Rußlands Platz in Europa
Berlin: Duncker & Humblot 2001 (Dokumente und Schriften der Europäischen Akademie Otzenhausen 94); 195 S.; 50,11 €; ISBN 3-428-10393-9Im Kern geht es bei der Bestimmung des Verhältnisses Russlands zur Europäischen Union um eine Frage: Wird der Hauptnachfolgerstaat der ehemaligen Sowjetunion bereit sein, partnerschaftliche Beziehungen aufzubauen oder vielmehr darauf abzielen, eine eigenständige Rolle als eurasische Groß- beziehungsweise Führungsmacht zu suchen? Ausgehend von globalen und regionalen Kooperationsbeziehungen der EU, unterscheidet der Autor vier Modelle der Zusammenarbeit der Europäischen Union mit Drittländern: Erstens die mit auf dem Weltmarkt konkurrierenden Mächten - wie z. B. Japan und USA; zweitens die mit anderen regionalen Organisationen (z. B. MERCOSUR, ASEAN etc.); drittens die mit den AKP-Staaten auf der Grundlage von Assoziierungsverträgen; viertens die mit Staatengruppen in der geographischen Nachbarschaft zur EU (Mittelmeerraum sowie Zentral- und Osteuropa). Alle Staaten dieser vierten Gruppe, die geographisch einen Teil Europas bilden, können nach Artikel O EUV die Mitgliedschaft in der Union beantragen. Diese Möglichkeit treffe grundsätzlich auch für Russland zu. Allerdings bleibt dabei, so der Autor, die Frage offen, inwieweit eine Mitgliedschaft Russlands in der EU auch wünschenswert sei. Daher steht im zweiten Teil der Untersuchung eine umfassende Bestimmung der Interessenlage Russlands im Vordergrund, die sich mit ökonomischen, politischen, geostrategischen, militärischen und - recht ausführlich - historisch-kulturellen Determinanten auseinander setzt. Bei der Diskussion der geostrategischen Lage des Landes geht der Autor auf die außenpolitischen Beziehungen Russlands zu den USA sowie den unmittelbar angrenzenden Ländern ein. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine EU-Mitgliedschaft Russlands undenkbar ist. Empfehlenswert scheine hingegen die Entwicklung eines neuen Konzepts "globaler Integration" (175) unter Einbeziehung Russlands. Wie dies konkret aussehen könnte, bleibt eine offene Frage.
Kritisch ist zu dieser kenntnisreichen Untersuchung anzumerken, dass der politische Rahmen der Beziehungen zwischen EU und Russland (TACIS, Partnerschafts- und Kooperationsabkommen, institutioneller Aufbau der Beziehungen) nur sehr kurz gestreift wird und wichtige "außenpolitische" Entwicklungen (z. B. die Gemeinsame Strategie der EU gegenüber Russland im Juni 1999) aufgrund des Manuskriptschlusses nicht gewürdigt werden. Ferner ist die Höhe des Buchpreises von 98,- DM für 195 Seiten ärgerlich.
Inhaltsübersicht: 1. Die gegenwärtigen Modelle der Zusammenarbeit der Europäischen Union mit Drittländern; 2. Russland als "Interessent" an einer Zusammenarbeit mit der Europäischen Union; 3. Die Perspektiven für eine Zusammenarbeit mit der Europäischen Union.
Stefan Gänzle (GÄ)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.62 | 4.22 | 3.6
Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Manfred Peter: Rußlands Platz in Europa Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13633-russlands-platz-in-europa_16334, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16334
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Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA