/ 12.06.2013
Gerhard Hecht
Rationale Politik. ... und die Folgen ihrer Mißachtung
Würzburg: Königshausen & Neumann 2001; 203 S.; brosch., 24,54 €; ISBN 3-8260-2016-2Der Autor versteht sein weit gespanntes Plädoyer für eine "rationale" Politik in konzeptioneller Hinsicht als "Zwitter aus Theorie und Essay" (10). Wenn es ein Charakteristikum essayistischer Darstellungsform ist, sich keiner spezifischen Fachdisziplin eindeutig zuordnen zu lassen, dann hat in dieser Studie - was ja kein Nachteil sein muss - der Essay mehr Gewicht als der Bezug auf Theorie. So umreißt Hecht zu Beginn - in eigentümlicher Weise aktuelle Beobachtungen mit nahezu klassisch anmutende...
Gerhard Hecht
Rationale Politik. ... und die Folgen ihrer Mißachtung
Würzburg: Königshausen & Neumann 2001; 203 S.; brosch., 24,54 €; ISBN 3-8260-2016-2Der Autor versteht sein weit gespanntes Plädoyer für eine "rationale" Politik in konzeptioneller Hinsicht als "Zwitter aus Theorie und Essay" (10). Wenn es ein Charakteristikum essayistischer Darstellungsform ist, sich keiner spezifischen Fachdisziplin eindeutig zuordnen zu lassen, dann hat in dieser Studie - was ja kein Nachteil sein muss - der Essay mehr Gewicht als der Bezug auf Theorie. So umreißt Hecht zu Beginn - in eigentümlicher Weise aktuelle Beobachtungen mit nahezu klassisch anmutender Kategorisierung verbindend - zwei leitende Prämissen: Einerseits sei eine "gute Politik" eine "Politik der Mitte" (sofern sie sich nämlich vom Rechts-Links-Schema gelöst habe) (9), weil andererseits aber praktische Politik einen Status zwischen "Handwerk und Kunst" einnehme, dürfe die erforderliche Rationalitätssteigerung nicht mit einer "Durchrationalisierung" von Politik gleichgesetzt werden (10). In den ersten 6 Abschnitten entwickelt der Autor knapp seine "erkenntnispsychologische" Sicht der Rationalitätsfrage, wobei er sich teils eines "methodischen Individualismus", teils systemischer Betrachtungsweise bedient. Deutlich größeren Raum nimmt die exemplarische Auseinandersetzung mit Rationalitätsdefiziten einzelner Politikbereiche ein (Kapitel 7-11); politikwissenschaftlich interessant ist dabei vor allem die ausdrückliche Betonung einer Autonomie der politischen Logik als "gestalterische Technik des gesellschaftlichen Machtausgleichs" (107), die über die vielfach in der Öffentlichkeit verlangte Dienstleistungsfunktion hinausreicht (80 ff.). Das kurze Resümee verknüpft wiederum teils formale Kriterien (die die Maxime variieren: "Vermeide Reduktionismen") mit teils inhaltlichen Erwägungen (darunter durchaus überraschende wie das Votum für den zweiten Arbeitsmarkt zur Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit).
Inhalt: 2. Psychologische Aspekte politischen Handelns; 3. Vorkulturelle und kulturelle Einflußfaktoren beim politischen Handeln; 4. Die Gesellschaft als strukturiertes System; 5. Menschliches Verhalten und gesellschaftliche Evolution; 6. Gesellschaftliche Werte: Wahrnehmung und Wandel; 7. Wirtschaft: Globalisierung oder Isolierung?; 8. Politik: Dienstleistung oder autonomes System?; 9. Soziales: Staatliche Fürsorge oder individuelle Vorsorge?; 10. Umwelt: Ressource oder Begrenzung?; 11. Kultur: Multikulturelle Immigrationsgesellschaft oder monokulturelle Evolutionsgesellschaft?
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.33 | 2.34 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Gerhard Hecht: Rationale Politik. Würzburg: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14043-rationale-politik_16827, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16827
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA