/ 11.06.2013
Ernst Bloch
Logos der Materie. Eine Logik im Werden. Aus dem Nachlass 1923-1949. Hrsg. von Gerardo Cunico
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2000; 679 S.; ISBN 3-518-58278-XDer Band versteht sich als ersten Schritt auf dem Weg zu einer historisch-kritischen Ausgabe der Schriften Ernst Blochs. Die hier wiedergegebenen Texte entstammen überwiegend einem umfangreichen Buchmanuskript aus den Jahren 1934 bis 1937, das Bloch unter dem Arbeitstitel Theorie-Praxis der Materie niederschrieb, aber nie als Ganzes veröffentlicht hat - so werden einige der versammelten Texte hier erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist dem Herausgeber nach eigener Aussage gelunge...
Ernst Bloch
Logos der Materie. Eine Logik im Werden. Aus dem Nachlass 1923-1949. Hrsg. von Gerardo Cunico
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2000; 679 S.; kart., 98,- DM; ISBN 3-518-58278-XDer Band versteht sich als ersten Schritt auf dem Weg zu einer historisch-kritischen Ausgabe der Schriften Ernst Blochs. Die hier wiedergegebenen Texte entstammen überwiegend einem umfangreichen Buchmanuskript aus den Jahren 1934 bis 1937, das Bloch unter dem Arbeitstitel Theorie-Praxis der Materie niederschrieb, aber nie als Ganzes veröffentlicht hat - so werden einige der versammelten Texte hier erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist dem Herausgeber nach eigener Aussage gelungen, das zwar zum größten Teil erhalten gebliebene, aber über Blochs gesamten Nachlass verstreute Manuskript weitgehend zu rekonstruieren. Ein umfangreicher kritischer Apparat dokumentiert die einzelnen Textvorlagen, Varianten und Änderungen. Die ebenso umfangreichen sachlichen Erläuterungen widmen sich zuvorderst der Entschlüsselung von Anspielungen und Verweisen sowie der Vervollständigung von Zitaten. Um auch dem nicht fachmännischen Leser den Eindruck eines sinnvollen Ganzen zu vermitteln, verfährt der Herausgeber in der Anordnung der Texte systematisch statt chronologisch. Der Kommentar zielt aber doch betont auf vertiefendes Textverständnis und nicht auf dessen bloße Erleichterung.
Den Kern des Bandes bildet die Logik und Kategorienlehre, die als vierter Teil im Manuskript enthalten war, und in der Cunico einen der zentralen Versuche in Blochs lebenslang verfolgtem aber nie in vollem Umfang realisiertem Projekt sieht, "den unverabredet, überraschend, musikhaft-schöpferischen Gang und Ton seiner utopischen Philosophie des Noch-Nicht in philosophisch streng ausweisbare Kategorien zu übersetzen" (451). Damit erschließt der Band einen wichtigen, im bisher veröffentlichten Werk Blochs jedoch selten explizit gewordenen Aspekt von dessen Philosophie. Er wird zum ergänzenden Bindeglied, in dem deutlicher als an jeder anderen Stelle - etwa im Prinzip Hoffnung, in dem dies nur teilweise, oder im Experimentum Mundi, in dem es nur stark verkürzt der Fall ist - das von Bloch beabsichtigte philosophische System aufscheint.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.46
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Ernst Bloch: Logos der Materie. Frankfurt a. M.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12221-logos-der-materie_14590, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14590
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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