/ 11.06.2013
Günther Gillessen
Hugo Preuß. Studien zur Ideen- und Verfassungsgeschichte der Weimarer Republik. Erstveröffentlichung der Dissertation von 1955. Mit einem Nachwort von Manfred Friedrich
Berlin: Duncker & Humblot 2000 (Schriften zur Verfassungsgeschichte 60); 188 S.; 39,88 €; ISBN 3-428-10019-0Die Veröffentlichung dieser Arbeit im Jahr 2000, 45 Jahre nachdem sie in Freiburg als Dissertation vorgelegt wurde, ist sicherlich auf den ersten Blick überraschend, und vielleicht wäre sie nicht erfolgt, wenn der Autor nicht durch seine langjährige Tätigkeit bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine bedeutende Stellung im intellektuellen Deutschland erreicht hätte. Aber hierin den eigentlichen Grund für die Publikation zu sehen, wäre ein Fehler. Gillessens Arbeit ist auch heute aktuell und w...
Günther Gillessen
Hugo Preuß. Studien zur Ideen- und Verfassungsgeschichte der Weimarer Republik. Erstveröffentlichung der Dissertation von 1955. Mit einem Nachwort von Manfred Friedrich
Berlin: Duncker & Humblot 2000 (Schriften zur Verfassungsgeschichte 60); 188 S.; 39,88 €; ISBN 3-428-10019-0Die Veröffentlichung dieser Arbeit im Jahr 2000, 45 Jahre nachdem sie in Freiburg als Dissertation vorgelegt wurde, ist sicherlich auf den ersten Blick überraschend, und vielleicht wäre sie nicht erfolgt, wenn der Autor nicht durch seine langjährige Tätigkeit bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine bedeutende Stellung im intellektuellen Deutschland erreicht hätte. Aber hierin den eigentlichen Grund für die Publikation zu sehen, wäre ein Fehler. Gillessens Arbeit ist auch heute aktuell und wertvoll. Sie bietet Einsichten über eine Zentralfigur der ersten deutschen Republik, die so an keiner anderen Stelle erhältlich sind, und das spricht bereits Bände über die nach wie vor kaum ausreichende Forschung über den Vater der Weimarer Reichsverfassung. Gillessen untersucht vor allem das politische Wirken von Preuß, das auch schon vor der Weimarer Verfassungsgebung in der Berliner Kommunalpolitik und in liberal-demokratischer Opposition und Publizistik im Kaiserreich breiten Raum fand. Daneben steht die in Anlehnung an Gierke (und in demokratischer Weiterentwicklung von dessen Gedanken) entwickelte Genossenschaftslehre, die den Kern der staatspolitischen Ideen von Preuß bildet. In der damit verknüpften Ablehnung des Souveränitätskonzeptes durch Preuß und in dessen Gedanken über den Bundesstaat sieht Gillessen in seiner aktualisierten Einleitung auch heute noch zwei wesentliche Ideen Preuß', die nutzbringend aufgegriffen werden können. Gillessens Text von 1955, der auch in der Sorge um die noch unklaren Überlebenschancen der zweiten deutschen Demokratie entstand, ist wesentlich unverändert belassen worden. Das einfühlsame Nachwort von Friedrich übt behutsame Kritik, streicht die Vorzüge der Studie heraus und nennt die wesentlichen seitdem erbrachten Forschungsleistungen, die gleichwohl noch Raum lassen für die jetzt endlich erfolgte Veröffentlichung einer alten, aber keineswegs überholten Dissertation.
Inhaltsübersicht: I. Grundriss einer Staatslehre; II. Ausbau der Selbstverwaltungslehre; III. Der liberale Publizist der Vorkriegszeit; IV. Im Roten Rathaus; V. Im Kriege; VI. Verfassungspläne des Winters 1918/1919; VII. Das Werk von Weimar; VIII. Die letzten Jahre. Manfred Friedrich: Nachwort (183-188).
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.311 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Günther Gillessen: Hugo Preuß. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12505-hugo-preuss_14952, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14952
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA