/ 11.06.2013
Carl Schmitt
Frieden oder Pazifismus? Arbeiten zum Völkerrecht und zur internationalen Politik 1924-1978. Hrsg., mit einem Vorwort und mit Anmerkungen versehen von Günter Maschke
Berlin: Duncker & Humblot 2005; XXX, 1.010 S.; Ln., 98,- €; ISBN 3-428-08940-5Der Band bietet 35 Texte Schmitts zu Fragen des Völkerrechts und der internationalen Politik. Die Texte sind durch einen äußerst materialreichen Anhang und Anmerkungsteil ergänzt. Neben im eigentlichen Sinne editorischen Verweisen und Klarstellungen (Maschke bezeichnet Schmitt etwa in Fragen der Zitationsgenauigkeit als „ein[en] außergewöhnlich nachlässige[n] Autor“ [XX]) hat der Herausgeber Wert auf die Einbettung der Schriften Schmitts in die zeitgenössische Literatur und Debatte g...
Carl Schmitt
Frieden oder Pazifismus? Arbeiten zum Völkerrecht und zur internationalen Politik 1924-1978. Hrsg., mit einem Vorwort und mit Anmerkungen versehen von Günter Maschke
Berlin: Duncker & Humblot 2005; XXX, 1.010 S.; Ln., 98,- €; ISBN 3-428-08940-5Der Band bietet 35 Texte Schmitts zu Fragen des Völkerrechts und der internationalen Politik. Die Texte sind durch einen äußerst materialreichen Anhang und Anmerkungsteil ergänzt. Neben im eigentlichen Sinne editorischen Verweisen und Klarstellungen (Maschke bezeichnet Schmitt etwa in Fragen der Zitationsgenauigkeit als „ein[en] außergewöhnlich nachlässige[n] Autor“ [XX]) hat der Herausgeber Wert auf die Einbettung der Schriften Schmitts in die zeitgenössische Literatur und Debatte gelegt. Besonders klar tritt so der Umstand zutage, dass nicht zuletzt die Erfahrung der Besetzung des Rheinlandes erheblichen Einfluss auf die Formulierung der völkerrechtlichen Schriften Schmitts hatte. Dieser Hinweis auf die Entstehung der Texte „aus konkreten historischen Situationen heraus“ (XXIII) ist jedoch nicht geeignet, die Kritik an ihnen abweisen zu können. Wenn Schmitt etwa in dem für diese Edition titelgebenden Aufsatz „Frieden oder Pazifismus?“ aus dem November 1993 dem Völkerbund vorwirft, er habe „ein juristisches System unwirklicher Begriffe und eine ganze Welt künstlicher Fiktionen geschaffen, die der Wahrheit des politischen Lebens fortwährend ins Gesicht schlagen“ (378), so kann diese Sprach- und Substanzkritik am modernen Völkerrecht nicht nur als einseitige Reaktion auf die Behandlung Deutschlands erklärt werden. Es bleibt erstaunlich, wie Schmitt einerseits dem Pazifismus in der Pose des unbestechlichen Kritikers vorwerfen kann, er lege „ein ganzes Netz konstruierter Begriffe über den wirklichen Sachverhalt“ (379) und im gleichen Text abschließend (mit Bezug auf die zeitgleich zur Reichstagswahl stattfindende „Volksabstimmung“ über die Grundsätze der Politik Hitlers [die Maschke auch auf den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund bezieht]) bar jeder kritischen Attitüde formuliert: „Das Ja, das wir am 12. November der Regierung Adolf Hitler geben, wird auch die künstlichen Begriffsbestimmungen durchdringen und den falschen Begriffsnebel zerreißen. Es wird ein Ja des Friedens sein.“ (380)
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 5.46 | 4.1
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Carl Schmitt: Frieden oder Pazifismus? Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12508-frieden-oder-pazifismus_14956, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14956
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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