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/ 11.06.2013
Nikolaus Dimmel

Drohen - Betteln - Verhandeln. Diskursive Praktiken, Verhandlungsmuster und politisch-administrative Entscheidungstechniken im wohlfahrtsstaatlichen Begründungs- und Leistungszusammenhang

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2000; 776 S.; ISBN 3-631-34710-3
Habilitationsschrift Salzburg. - Wie wird Armut in den Codes des Wohlfahrtsrechts wahrgenommen, be- und verarbeit? Was bleibt vom Recht der Wohlfahrt in der "von Delegitimationsrisiken bedrohten (Dienst-)Leistungspraxis der Wohlfahrt und ihrer Verwaltung" (23) übrig? Gestützt auf anwendungsorientierte Forschungsarbeiten in den Bereichen Arbeitsmarktpolitik, Behindertenhilfe und Sozialhilfe, auf Interviews mit Vertretern von Behörden, intermediären Organisationen und freien Wohlfahrtsträgern sowi...
Nikolaus Dimmel

Drohen - Betteln - Verhandeln. Diskursive Praktiken, Verhandlungsmuster und politisch-administrative Entscheidungstechniken im wohlfahrtsstaatlichen Begründungs- und Leistungszusammenhang

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2000; 776 S.; brosch., 168,- DM; ISBN 3-631-34710-3
Habilitationsschrift Salzburg. - Wie wird Armut in den Codes des Wohlfahrtsrechts wahrgenommen, be- und verarbeit? Was bleibt vom Recht der Wohlfahrt in der "von Delegitimationsrisiken bedrohten (Dienst-)Leistungspraxis der Wohlfahrt und ihrer Verwaltung" (23) übrig? Gestützt auf anwendungsorientierte Forschungsarbeiten in den Bereichen Arbeitsmarktpolitik, Behindertenhilfe und Sozialhilfe, auf Interviews mit Vertretern von Behörden, intermediären Organisationen und freien Wohlfahrtsträgern sowie auf eigene Berufserfahrung als Leiter des Sozialamtes der Stadt Salzburg in den Jahren 1991 bis 1995 setzt sich der Verfasser mit der Funktionsweise und dem Strukturwandel des Rechts bei der Erbringung wohlfahrtsstaatlicher Leistungen in Österreich im Untersuchungszeitraum 1985 bis 1995 auseinander. Seine These lautet, dass "die zunehmende Situativität und Informalität des Rechtsgebrauchs der Armenhilfe, die gesteigerte Verflechtung, Vernetzung und Rückkopplung von wohlfahrtsstaatlichen Entscheidungszusammenhängen das Ausgrenzungsrisiko der von sozialer Randständigkeit Bedrohten beziehungsweise Betroffenen zusätzlich steigert" (25). Der aufgezeigten Erfahrung, wonach die Erbringung wohlfahrtsstaatlicher Leistungen "immer weniger als festgefügter Ablauf von Antragstellung und Hilfegewährung, als Verbindung aus objektivierbarer Bedürftigkeit und kalkulierbaren Folgen" (611) verstanden werden könne, sondern "durch eine ansteigende Unschärfe und eine Verflüssigung der Hilfeformen und Leistungsgewährung" (611) gekennzeichnet sei, steht die Beobachtung gegenüber, dass dadurch spiegelbildlich "die Anforderungen an die soziale und verbale Kompetenz der AntragstellerInnen" (612) wüchsen, die nun innerhalb der inhaltlich offenen Verfahren und reflexiven beziehungsweise prozeduralen Arrangements "rational argumentieren und zukunftsorientiert disponieren" (613) müssten. Dies seien aber "fatalerweise genau diejenigen Verhaltensressourcen, über welche ein beträchtlicher Teil der Armutsbevölkerung" nicht verfüge (613). Die Prozeduralisierung des Rechts verschärfe somit die Risiken sozialer Randständigkeit, trage also zu sozialer Ausgrenzung eigenständig bei (613). Dem von einer "Desintegrationsdynamik" (629) erfassten Recht stehe auf Seiten der Klientel ein sinkender Rechtsgebrauch und eine sinkende Rechtsakzeptanz (625) gegenüber. Aus den aufgezeigten Befunden leitet der Verfasser Reformperspektiven der Rechts- und Sozialpolitik im Wohlfahrtsstaat ab. Inhaltsübersicht: II. Funktionen des Rechts im Wohlfahrtsstaat; III. Der Entstehungszusammenhang des Rechts im Wohlfahrtsstaat; IV. Strukturwandel staatlicher Sozialfunktionen; V. Das Rechtsprogramm der Wohlfahrt; VI. Zum Geltungszusammenhang des Wohlfahrtsrechts; VII. Kalküle der Thematisierung und Mobilisierung von Recht; VIII. Struktur- und Funktionswandel des Wohlfahrtsrechts; IX. Krisenverarbeitung in Rechtssoziologie und Rechtstheorie; X. Reformperspektiven der Rechts- und Sozialpolitik im Wohlfahrtsstaat.
Tanja Pritzlaff (TP)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen.
Rubrizierung: 2.42.2622.21 Empfohlene Zitierweise: Tanja Pritzlaff, Rezension zu: Nikolaus Dimmel: Drohen - Betteln - Verhandeln. Frankfurt a. M. u. a.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12515-drohen---betteln---verhandeln_14968, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14968 Rezension drucken
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