/ 12.06.2013
Harald Wenzel
Die Abenteuer der Kommunikation. Echtzeitmassenmedien und der Handlungsraum der Hochmoderne
Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2001; 572 S.; geb., 50,62 €; ISBN 3-934730-19-1Die neuere Sozialtheorie habe den Stellenwert, der den Systemen der Massenkommunikation für die Integration moderner Gesellschaften zukommt, nur unzureichend begriffen. Das gilt - so Wenzel - nicht nur für jene Denker, die wie Adorno oder Anders, von der Prämisse authentischer Kunst ausgehend, das Fernsehen mit einem generellen Manipulationsverdacht belegen (28 ff.). Es gelte auch für so unterschiedliche Sichtweisen wie die von Habermas, dessen Kommunikationsmodell letztlich an das Gespräch unte...
Harald Wenzel
Die Abenteuer der Kommunikation. Echtzeitmassenmedien und der Handlungsraum der Hochmoderne
Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2001; 572 S.; geb., 50,62 €; ISBN 3-934730-19-1Die neuere Sozialtheorie habe den Stellenwert, der den Systemen der Massenkommunikation für die Integration moderner Gesellschaften zukommt, nur unzureichend begriffen. Das gilt - so Wenzel - nicht nur für jene Denker, die wie Adorno oder Anders, von der Prämisse authentischer Kunst ausgehend, das Fernsehen mit einem generellen Manipulationsverdacht belegen (28 ff.). Es gelte auch für so unterschiedliche Sichtweisen wie die von Habermas, dessen Kommunikationsmodell letztlich an das Gespräch unter Anwesenden gebunden bleibt (50 ff.), oder die von Luhmann, der den Massenmedien - fälschlich - eine selbstreferentielle Geschlossenheit unterstellt (39 ff.). Wenzel möchte mit seiner differenzierten Analyse technisch unterstützter Kommunikationsprozesse Ergebnisse der Medienforschung so in die Sozialtheorie einbauen, dass - vor allem mit Blick auf die Spezifika des primären Echtzeitmassenmediums Fernsehen - auch Fragen hinsichtlich der Möglichkeit politischer Öffentlichkeit heute in einer den Chancen dieses Mediums angemessenen Weise beantwortet werden können (64 ff.). Theoretischen Bezugspunkt seiner Überlegungen bildet einerseits die pragmatistische Sozialtheorie (Dewey, Mead, Park, Cooley), die mit dem Konzept der "parasozialen Interaktion" einen Grundbegriff bereitgestellt habe, um die Kommunikation zwischen Fremden zu analysieren (422 ff.). Andererseits liefert Parsons mit seinem Modell der Kommunikation von Vertrauen einen zweiten Schlüsselbegriff (321 ff.). Beide Argumentationslinien verknüpft Wenzel dann in dem deutlichen Diktum: "Ich weise Versuche zurück, Echtzeitmassenmedien und insbesondere das Fernsehen als Erosion von Vertrauen, als Quelle sozialer Desintegration zu begreifen." (82). Für politische Theorie jedenfalls ist die vom Autor im Anschluss an Dewey umrissene Vision außerordentlich anregend, derzufolge eine "genuine Öffentlichkeit im translokalen Maßstab" überhaupt erst in massenmedialer Kommunikation entstehen könne (75, 486 ff.).
Inhaltsübersicht: II. Echtzeitmassenmedien. Probleme der Sozialtheorie; III. Der Universalmonitor. Infrastruktur und Autonomie der Kommunikation; IV. Propaganda. Das Problem der Unsicherheit; V. Geld und Affekt. Symbolische Kommunikation; VI. Vertrauen. Soziale Integration in der Hochmoderne; VII. Parasozialität. Der Zauberteppich; VIII. Die Mediatisierung von Person und Kultur. Ausblick.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 | 2.24 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Harald Wenzel: Die Abenteuer der Kommunikation. Weilerswist: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13184-die-abenteuer-der-kommunikation_15798, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15798
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA