/ 12.06.2013
Thomas Kleine-Brockhoff / Bruno Schirra
Das System Leuna. Wie Politiker gekauft werden. Warum die Justiz wegschaut
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 2001 (rororo aktuell 23237); 304 S.; 8,90 €; ISBN 3-499-23237-5Ein gerüttelt Maß an professioneller krimineller Energie decken die beiden ZEIT-Redakteure Kleine-Brockhoff und Schirra auf: Da gibt es Abteilungen eines französischen Großkonzerns, deren alleinige Aufgabe die zielgerichtete Verteilung hoher Summen zu sein scheint; Finanzkanäle werden von Geheimdiensten eröffnet und sogleich verschleiert; Staatsanwaltschaften verwenden viel Mühe, nichts von der Wahrheit zu erfahren. Kompensierend werden Journalisten angeklagt und verurteilt, weil sie aus den Akt...
Thomas Kleine-Brockhoff / Bruno Schirra
Das System Leuna. Wie Politiker gekauft werden. Warum die Justiz wegschaut
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 2001 (rororo aktuell 23237); 304 S.; 8,90 €; ISBN 3-499-23237-5Ein gerüttelt Maß an professioneller krimineller Energie decken die beiden ZEIT-Redakteure Kleine-Brockhoff und Schirra auf: Da gibt es Abteilungen eines französischen Großkonzerns, deren alleinige Aufgabe die zielgerichtete Verteilung hoher Summen zu sein scheint; Finanzkanäle werden von Geheimdiensten eröffnet und sogleich verschleiert; Staatsanwaltschaften verwenden viel Mühe, nichts von der Wahrheit zu erfahren. Kompensierend werden Journalisten angeklagt und verurteilt, weil sie aus den Akten des wegen der so genannten "Bundeslöschtage" eingesetzten "Sonderermittlers" Hirsch zitiert haben. Auch wenn Politikern Bestechlichkeit oder Vorteilsnahme im Einzelnen nicht nachzuweisen sei, bleibt die bittere Erkenntnis: "Ein ganzes System zur wechselseitigen Befriedigung partikularer Interessen ist entstanden, umflort von einem Blumengebinde aus Gemeinwohlrhetorik." (159) Die Autoren vermitteln dem Leser ein Bild der Affäre, das Zweifel an mitteleuropäisch-kultiviertem Verhalten in der Politik aufkommen lässt und dem Glauben an den Rechtsstaat schweren Schaden zufügt. Warum die Affäre so harmlos im Sande verlaufen zu sein scheint, erklären sie so: "Entweder hat die SPD selbst etwas zu verbergen, oder sie hält Erkenntnisse zurück, um im Wahljahr noch einmal Furcht zu verbreiten. In beiden Fällen träte die Affäre in eine neue Phase." (165 f.)
Inhalt: I. Das System Leuna: 1. "Ein Tatort Bonn ist wenig nahe liegend"; 2. Ein raffiniertes Geschäft; 3. Diller und die Detektive; 4. Die Bundeslöschtage; 5. Wenn der Vater mit dem Sohne; 6. Die Akte Pfahls; 7. Der Spender und sein Kanzler. II. Die Dokumente: 1. "An die zuständige deutsche Behörde"; 2. Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, lieber Helmut Kohl"; 3. Der Hirsch-Bericht "Über Ermittlungen zum Aktenbestand des Bundeskanzleramtes".
Florian Peter Kühn (KÜ)
Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 | 2.322
Empfohlene Zitierweise: Florian Peter Kühn, Rezension zu: Thomas Kleine-Brockhoff / Bruno Schirra: Das System Leuna. Reinbek bei Hamburg: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14152-das-system-leuna_18419, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18419
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Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
CC-BY-NC-SA