/ 21.06.2013
Andreas K. Gruber
Der Weg nach ganz oben. Karriereverläufe deutscher Spitzenpolitiker
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 312 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-16299-7Politikwiss. Diss. Bamberg; Gutachter: U. Hoffmann-Lange, H.-U. Derlien. – In der öffentlichen Debatte werden oft die Karrieren deutscher Spitzenpolitiker diskutiert. Dabei wird der Berufspolitiker kritisiert, welcher ausschließlich in der Politik Karriere macht. Inwieweit man diesen Typ tatsächlich unter den derzeitigen Spitzenpolitikern findet, ist eine Frage der vorliegenden Suche nach typischen Karrieremustern. Dabei hält sich Gruber weitestgehend an die Arbeiten von Herzog, in denen dieser eine Typologisierung von Karrieremuster und ein Phasenmodell politischer Karrieren vorschlägt. Dazu wurde ein Fragebogen an knapp 370 Spitzenpolitiker auf Landes- und Bundesebene und an etwa 140 Jungpolitiker, welche als „Kontrastgruppe“ (70) dienen, versandt. Erfragt wurden soziodemografische Merkmale wie Alter, Geschlecht, Bildung und Religiosität sowie Angaben zur beruflichen und innerparteilichen Karriere und zu öffentlichen Mandaten. Im Ergebnis wird u. a. deutlich, dass es durchaus die reine Politkarriere gibt, aber die sogenannte Standard-Karriere mit anderer Berufstätigkeit weit verbreitet ist. Von den untersuchten soziodemografischen Merkmalen spielt die Bildung eine wichtige Rolle für die Rekrutierung. Zudem sind beispielsweise eine lange, kontinuierliche Parteimitgliedschaft sowie das Engagement in der Kommunalpolitik als karriererelevant zu betrachten. Das gewählte Untersuchungsdesign für die Bearbeitung der spannenden Thematik wirft allerdings einige Fragen auf. So sind die Jungpolitiker beispielsweise nur begrenzt als Kontrollgruppe geeignet. Problematisch ist vor dem Hintergrund ideologischer Parteiflügel zudem, dass die inhaltlich-programmatische Orientierung der Politiker völlig unbeachtet bleibt. Grundsätzlicher bleibt die Frage, ob die Häufigkeit bestimmter Merkmale innerhalb der Gruppe von Spitzenpolitikern ein ausreichender Hinweis auf Karriere- und Rekrutierungsmuster ist. Um den am Ende vom Autor entwickelten Leitfaden für das Werden eines Spitzenpolitikers aussagekräftig zu machen, wären sicher noch weitere Unterscheidungsmerkmale zu anderen Politikern von Bedeutung.
Stefanie John (SJ)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.331
Empfohlene Zitierweise: Stefanie John, Rezension zu: Andreas K. Gruber: Der Weg nach ganz oben. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30071-der-weg-nach-ganz-oben_35648, veröffentlicht am 03.02.2009.
Buch-Nr.: 35648
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Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
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