Alte und neue Grenzen
Ein Blick auf die neuen Rezensionen vom 23. Mai 2013
Trotz immer wieder unternommener Versuche, die USA auch aktuell als Imperium zu begreifen, wird diese Erscheinungsform hegemonialer Machtausdehnung in dem von Herfried Münkler und Eva Marlene Hausteiner publizierten Band vor allem als Phänomen des 19. und 20. Jahrhunderts diskutiert. Die maßgebliche Kategorie des 21. Jahrhunderts dagegen könnte das Recht sein – entfaltet es seine Wirkung doch zunehmend auch „über Grenzen“ hinweg, wie ein Kolloquium anlässlich des 70. Geburtstages von Wolfgang Graf Vitzthum zeigt. Diese Grenzen erscheinen zudem immer weniger als starre nationalstaatliche Einhegungen von Landmasse oder Ausdruck eines Einflussbereichs, sondern mehr und mehr als Regelungssysteme, die verschiedene Akteure einbinden. Wo diese Grenzen genau liegen – etwa die der Legitimität bei der Bewältigung der Euro-Krise – ist immer wieder neu zu klären. Nicht abgelöst, aber doch ergänzt wird damit die klassische Außen- und Sicherheitspolitik der Staaten, deren inhaltliche Ausrichtung sich immer deutlicher zu verschieben scheint. Während Werner Wintersteiner in einem Band über die österreichische Sicherheitsstrategie beispielsweise dafür plädiert, auf eine militärische Landesverteidigung künftig zu verzichten und das bisher zuständige Ministerium in eines für Sicherheit und Frieden umzuwandeln, hat sich Kanada schon konkret einer globalen Aufgabe zugewandt: Es hat die Human Security – mit der laut einer Definition der UN die Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse und die Sicherung der Menschenrechte Teil der Sicherheit werden – zum Leitbild seiner Außenpolitik gemacht.
Die Übersicht über alle neu veröffentlichten Rezensionen finden Sie unter „Aktuelles“, eine weitere Auswahl präsentieren wir hier:
![]() Das Jahr der gefährlichen Träume. Aus dem Englischen von Karen Genschow Frankfurt a. M.: S. Fischer 2013 (Wissenschaft, 2. Aufl.); 221 S.; geb., 19,99 €; ISBN 978-3-10-092593-0 Die Träume des Jahres 2011 sind doppelt gefährlich: Als Emanzipation und als Destruktion, die sich in den Ereignissen um den Arabischen Frühling, die Occupy‑Bewegung und den rechtspopulistischen Exzess eines Anders Breivik mobilisierten, sind sie Gefahr für die herrschende Ideologie; andererseits scheinen sie gefährlich schnell ihre erschütternde Dimension zu verlieren und damit eben dieser Ideologie wieder anheim zu fallen. Der Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Žižek interveniert daher mit der Frage, „wie wir ein System bekämpfen können, ohne sein Funktionieren dabei noch zu verbessern“ (10). [...] |
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![]() Wider den Zeitgeist. Band 1. Aufsätze und Gespräche über Juden, Deutsche, den Nahostkonflikt und Antisemitismus Hamburg: LAIKA Verlag 2012; 206 S.; 21,- €; ISBN 978-3-942281-35-5 Die gesammelten Aufsätze des Soziologen und Historikers Moshe Zuckermann beginnen mit Reflexionen zum zentralen thematischen Schwerpunkt seines Denkens und politischen Intervenierens (Band 2 siehe Buch‑Nr. 43781). Dem Titel entsprechend versammelt der Band Zeitschriften‑ und Zeitungsartikel, die Zuckermann als Beiträge zur kontroversen Debatte über den Nahostkonflikt und das deutsch‑israelische Verhältnis versteht. Sein Plädoyer zielt dabei auf eine geschichtsbewusste und reflektierte Perspektive (besonders aus deutscher Sicht) und gegen die Apathie, die seiner Ansicht nach gegenüber den Menschenrechtsverletzungen in Nahost vorherrscht. [...] |
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![]() Wider den Zeitgeist. Band 2. Zur Aktualität der Kritischen Theorie Hamburg: LAIKA Verlag 2013; 156 S.; 20,- €; ISBN 978-3-942281-39-3 Während sich Moshe Zuckermanns Einspruch „wider den Zeitgeist“ im ersten Band (siehe Buch‑Nr. 43782) gegen ideologisch überformte Positionen im Nahostkonflikt richtet, ist er im zweiten Teil gegen einen postmodernen Zeitgeist formuliert: gegen die relativistische Unterminierung allen kritischen Potenzials im Denken und die neoliberale Kontamination aller Lebensbereiche. Um „zumindest das Bewusstsein davon […] unbedingt zu bewahren“ (12), gelte es auf die Reaktivierung der kritischen Analyse und Kategorien hinzuarbeiten – die er aber in der Abwendung von der Kritischen Theorie in der Prägung der frühen Frankfurter Schule verlustig gehen sieht. [...] |
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