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/ 21.06.2013
Ulf Brunnbauer / Stefan Troebst (Hrsg.)

Zwischen Amnesie und Nostalgie. Die Erinnerung an den Kommunismus in Südosteuropa

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2007 (Visuelle Geschichtskultur 2); VI, 308 S.; geb., 49,90 €; ISBN 978-3-412-13106-7
In Südosteuropa seien drei typische Strategien im Umgang mit der staatssozialistischen Vergangenheit festzustellen, schreiben die Herausgeber einleitend: „erstens Versuche, die Spuren des Kommunismus zu tilgen und ihn der Amnesie anheim fallen zu lassen“, zweitens eine wissenschaftliche und politische Aufarbeitung sowie „drittens die unverhohlene offizielle Affirmation der realsozialistischen Periode, die sich auf weit verbreitete Nostalgie stützen kann“ (3). Auf jeden Fall aber komme der Erinnerung oder dem Verschweigen eine erhebliche politische Relevanz zu, zumal in einigen Ländern die kommunistischen Parteien bzw. deren Nachfolger seit 1989 wiederholt in Regierungsverantwortung gelangten. Brunnbauer und Troebst geben zu Bedenken, dass sich dieser politische Erfolg unter anderem aus einer überwiegend positiven Erinnerung breiter Teile der Gesellschaften speise – ein großer Teil der Bevölkerungen sei im Sozialismus aufgewachsen und habe entsprechende Verhaltens- und Wertemuster verinnerlicht, die noch heute eine „unbewusste Folie“ (6) für Meinungen und Handlungen seien. Viele Menschen assoziierten noch heute mit der sozialistischen Periode „Gleichheit, Solidarität, Überschaubarkeit, enge soziale Beziehungen und Sicherheit“ (5). Erstaunlicherweise seien diese positiven Assoziationen auch z. B. bei den vor 1989 stark unterdrückten bulgarischen Türken festzustellen oder in Rumänien, wo vor 1989 massive wirtschaftliche Probleme herrschten. Die Autoren nehmen in ihren übergreifenden Analysen und Länderberichten das komplexe Thema aus verschiedenen Blickwinkeln auf (Geschichte, Anthropologie, Volkskunde, Soziologie, Literaturwissenschaft, Kunstwissenschaft, Psychologie). Bemerkenswert ist auch die Einbeziehung Griechenlands, das sich nach der kommunistischen Niederlage im Bürgerkrieg und der Wiederherstellung der Demokratie nach 1974 mit der Frage „Was wäre wenn“ konfrontiert sah. Die Beiträge gehen auf eine Tagung zurück, die 2005 an der FU Berlin stattfand.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.232.2 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ulf Brunnbauer / Stefan Troebst (Hrsg.): Zwischen Amnesie und Nostalgie. Köln/Weimar/Wien: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27367-zwischen-amnesie-und-nostalgie_32043, veröffentlicht am 19.06.2008. Buch-Nr.: 32043 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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