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/ 21.06.2013
Ludwig Elm

Wenn ich einmal der Kanzler wär. Ein Zwischenruf zur deutschen Einheit

Köln: PapyRossa Verlag 2009; 186 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-89438-418-0
Die Perspektive des Autors ergibt sich aus dem 20. Jahrestag des Falls der Mauer. Im Wesentlichen geht es Elm darum, gegenwärtige „ideologische und geschichtspolitische Motive und Ziele“ (10) zu enthüllen. Mit Blick auf die jüngste Geschichte schildert er, was seines Erachtens in Deutschland verdrängt, versäumt oder fehlerhaft entschieden wurde. Als entscheidendes Versäumnis benennt Elm, dass 1948/49 keine gemeinsame Verfassung für alle deutschen Besatzungszonen ausgearbeitet und verabschiedet wurde. Obwohl die westlichen Alliierten das vorgeschlagen hätten, sei dies an den deutschen Ministerpräsidenten der drei Westzonen gescheitert. Um jedoch nicht als Schuldige dazustehen, sollte die Bildung des westdeutschen Staates über das Grundgesetz „den Eindruck einer Übergangslösung sowie eines staatlichen Provisoriums wahren“ (148). In diesem Kontext kritisiert Elm auch, dass der Artikel 146 GG, der die Ausarbeitung einer neuen Verfassung vorsah, 1990 bei der Wiedervereinigung nicht zur Kenntnis genommen und der vom Runden Tisch der DDR ausgearbeitete Verfassungsentwurf ignoriert wurde. Diesen Vorgang bezeichnet der Autor als erneut „konservativ minimierte Partizipation“ (149). Ausführlich schildert er anschließend zahlreiche Ungerechtigkeiten gegenüber ehemaligen Bürgern der DDR. Bis heute sieht er trotz wiederholter Rüge durch das Bundesverfassungsgericht eine Praxis „rentenrechtlicher Diskriminierung“ und „gesetzeswidriger Entrechtungen“ (161). Dies liege, so Elm, am starken Antisozialismus in Deutschland. So enthüllten der Abriss des Palastes der Republik und der Neubau des Berliner Stadtschlosses die „latente, teils auch offene Servilität gegenüber Aristokratie und Monarchie“ sowie die „konservative, antiegalitäre Prägung der Bundesrepublik“ (171). Spricht man im Kontext der DDR vom „verordneten Antifaschismus“, so bezeichnet der Autor dies als „denunziatorisch“ (178). Vielmehr speise sich die gegenwärtige Geschichtsschreibung aus einem massiven antikommunistischen Ressentiment.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.352.3312.313 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Ludwig Elm: Wenn ich einmal der Kanzler wär. Köln: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31256-wenn-ich-einmal-der-kanzler-waer_37179, veröffentlicht am 21.10.2009. Buch-Nr.: 37179 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA