/ 11.06.2013
Kathrin Gerlof
Gerhard Löwenthal - Karl-Eduard von Schnitzler
Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 1999 (GegenSpieler); 155 S.; 16,90 DM; ISBN 3-596-14183-4Dem Konzept der Publikationsreihe folgend, prominente Persönlichkeiten der Zeitgeschichte im Kontrast ihres Werdegangs, ihrer Arbeit und ihrer öffentlichen Wirkung im gleichen Teilgebiet vorzustellen, porträtiert die Autorin die TV-Journalisten Löwenthal und von Schnitzler. Als verantwortliche Redakteure der Fernsehprogramme "Der Schwarze Kanal" (von 1960 bis 1989 im DDR-Fernsehen) bzw. "ZDF-Magazin" (von 1969 bis 1978 im westdeutschen ZDF) galten Schnitzler und Löwenthal jahrzehntelang als gegensätzliche Exponenten eines Fernsehjournalismus, der das rasch an Verbreitung und Bedeutung gewinnende Medium zum Zweck der gezielten Beeinflussung der öffentlichen Meinung innerhalb der ideologischen Konfrontation der Systeme im "Kalten Krieg" einsetzte. Die Autorin zeichnet zunächst die persönliche und berufliche Entwicklung von Löwenthal und Schnitzler im geteilten Deutschland ab 1945 nach und arbeitet dabei prägende Einflüsse und Erfahrungen heraus, die die spätere politische (bzw. ideologische) Position der beiden Journalisten bestimmen halfen. Den Hauptteil des Bandes bildet die Untersuchung der Programminhalte der beiden Sendereihen. Dabei konzentriert sich die Autorin nicht nur auf eine Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte einzelner Sendungen im zeitgenössischen politischen und gesellschaftlichen Umfeld sowie auf das in einigen Fällen äußerst kontroverse Echo, das sie hervorriefen. Sie versucht vielmehr, die politische Motivation zu ergründen, welche die beiden mittelbaren Kontrahenten dazu veranlaßte, ihre Stellung als exponierte "Meinungsmacher" über Jahrzehnte hinweg zur aggressiven und bewußt polemischen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen ideologischen "Gegner" zu nutzen, der für beide in bemerkenswerter Grobschlächtigkeit jeweils das gesamte politische System der "kommunistischen DDR" bzw. der "kapitalistischen BRD" einschließlich eventueller "Sympathisanten" im eigenen Land umfaßte.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313 | 2.333
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Kathrin Gerlof: Gerhard Löwenthal - Karl-Eduard von Schnitzler Frankfurt a. M.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10790-gerhard-loewenthal---karl-eduard-von-schnitzler_12759, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12759
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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