/ 11.06.2013
Wolfram Weimer
Die Sozialisierungsfalle. Warum die Soziale Marktwirtschaft wieder entfesselt werden muß
Frankfurt a. M.: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Verlagsbereich Buch 1999; 186 S.; kart., 39,80 DM; ISBN 3-929368-97-8Weimer, stellvertretender Chefredakteur bei der Zeitung "Die Welt" und zuvor Wirtschaftsredakteur bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", stellt der These von der Entfesselung des Marktes die der Entfesselung des Staates entgegen. In seinem Abriss der Geschichte der Marktwirtschaft in West-Deutschland nach 1945 kennzeichnet er deren Einführung als Resultat eines harten Kampfes zwischen Freiheit und Sozialismus: Nachdem Erhard die Währungsreform und die Befreiung vom "Dickicht der Preisregulierungen" in einem "Coup" (41) durchgesetzt hat, formierte sich die Linke zum Widerstand (45): Die Gewerkschaften riefen zum Käuferstreik auf, und auf den Wochenmärkten kam es wegen der Preissteigerungen zu Tumulten, die erst beigelegt werden konnten, "als das Überfallkommando anrückte" (44). Doch Erhards "Dauerverteidigungsschlacht" (46) war erfolgreich – bis dann 1967 der Umbruch kam: "Erstmals regierten die Sozialdemokraten in Bonn" und zur gleichen Zeit starb Adenauer, dessen Beerdigung zur "symbolischen Grablegung der Wirtschaftswunder-Bundesrepublik" wurde: Nun wurde die "gängige Sexualmoral [...] in Frage gestellt", "die Männerhaare wurden länger, erste Drogen kursierten". "Bürgerliche Dezenz und christliche Askese gerieten in die Defensive." (66) Von nun an nahm das Verhängnis seinen Lauf, der Etatismus breitete sich aus; trotz verschiedener Versuche, der Freiheit dennoch zum Durchbruch zu verhelfen, konnte der "schleichende Sozialismus" (131) nicht gebremst werden. – Weimer rundet seine Darstellung mit einer Reihe von Tabellen und Graphiken ab, die mit Titeln wie "Arbeiten für den Staat – So viele Tage im Jahr mussten die Bürger [...] für Steuern und Sozialabgaben arbeiten" (35), "Immer weniger Unternehmer" (113) und "Deutschland vorn: Fast zwei Drittel des Gewinns für die Steuer" (137) überschrieben sind. Das Anliegen, das er verfolgt, ist im Kern nicht unberechtigt: Die letzten Jahrzehnte sind tatsächlich von der Tendenz gekennzeichnet, immer mehr Ansprüche an den Staat zu formulieren und zugleich seine Autorität zu beschneiden. Doch die polemische und undifferenzierte Darstellung ist wenig geeignet, nach Ursachen und Lösungen zu fragen und wird nur die erreichen, die ohnehin Weimers Position teilen.
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Wolfram Weimer: Die Sozialisierungsfalle. Frankfurt a. M.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11222-die-sozialisierungsfalle_13285, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13285
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Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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