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Rezension / 30.10.2026

Daniel Loick, Christian Schmidt und Isette Schuhmacher (Hg.): Emanzipatorischer Materialismus

Berlin 2026, Suhrkamp Verlag

Im Unterschied zum Idealismus stellt der Materialismus nicht zuvorderst auf Ideen, sondern auf materielle Gegebenheiten und Interaktionen ab. Im Anschluss an Rahel Jaeggi nimmt der von Daniel Loick, Christian Schmidt und Isette Schuhmacher herausgegebene Sammelband den ‚emanzipatorischen Materialismus‘ in den Blick, fragt also danach, welche Bedingungen gesellschaftliche Befreiung ermöglichen oder hemmen. Unsere Rezensentin Aylin Yildirim arbeitet heraus, welche Einsichten der Band ermöglicht – und was ihn an weiteren hemmt.

Eine Rezension von Aylin Yildirim

Das Theoriegebäude der Berliner Philosophin Rahel Jaeggis bewegt sich zwischen einer sozialphilosophischen und einer grundbegrifflichen Untersuchung. Jaeggi fragt zum einen, wie Lebensformen möglich sind, ohne einen universellen und externen Maßstab an sie anzulegen. Zum anderen erörtert sie, wie Fortschritte in einer Gesellschaft zu beurteilen sind, ohne dabei einem teleologischen, also zielgerichteten Geschichtsverlauf zu folgen, um damit Kriterien für eine Analyse und Kritik gesellschaftlicher Entwicklungen bereitzustellen.[1] Das Ziel dabei ist, „emanzipatorische Veränderungsprozesse und deren Blockaden als solche identifizieren [zu] können“[2], um sich für praktisches Handeln zu orientieren.

Zum 60. Geburtstag von Jaeggi haben Daniel Loick, Christian Schmidt und Isette Schumacher nun einen Sammelband herausgegeben, der in Anlehnung an ihre Theorien unter anderem aus ‚Entfremdung‘, ‚Kritik von Lebensformen‘ und ‚Fortschritt und Regression‘ die Fragen eines emanzipatorischen Materialismus verhandelt.

Der Sammelband bringt unterschiedliche Perspektiven der kritisch-philosophischen Sozialtheorie, politischen Theorie und Gesellschaftskritik zusammen, die Widersprüche und Strukturen von Machtverhältnissen moderner Gesellschaft untersuchen und hinterfragen, unter welchen Bedingungen Emanzipation möglich ist.

Materialismus in der Tradition Kritischer Theorie  

Inspiriert von dem hegelianisch-marxistischen Fortschrittsbegriff und dessen Infragestellung durch die Kritische[3] Theorie versteht Jaeggi Fortschritt als einen sich anreichernden Problemlösungs- und Erfahrungsprozess.[4] Umgekehrt bezeichnet Regression „eine Verarmung oder Verfestigung sozialer Praktiken und Lebensformen, die ihre eigene Veränderbarkeit einbüßen und nötige Transformation blockieren“ (27). Hieraus ergibt sich für den Sammelband ein Bezugsrahmen, der den ‚Emanzipatorischen Materialismus‘ präzisiert: „Mit ihrem Versuch, einige zentrale Probleme des Historischen Materialismus zu bearbeiten, liefert Jaeggi entscheidende Bezugspunkte für die Reformulierung eines emanzipatorischen Materialismus“ (27). Die spezifischen Probleme des Historischen Materialismus liegen insbesondere in seiner Teleologie: „Der Materialismus schlägt in der Folge leicht in eine Ideologie des Zwangs um: Zwang des Geschichtsverlaufs, Zwang der mechanischen Naturgesetze, Zwang der entwickelten Produktivkräfte“ (20). Das bedeutet, dass eine Theorie, die gesellschaftliche Verhältnisse erklären soll, bestimmte Entwicklungen als unvermeidbar rechtfertigen könnte. Ein emanzipatorischer Materialismus müsste sowohl die materiellen Grenzen des menschlichen Handelns verstehen als auch anerkennen, dass nur durch menschliches Handeln gesellschaftliche Verhältnisse geändert werden können: „objektive Materie und subjektive Deutungen [müssen] als kokonstitutiv miteinander vermittelt verstanden werden“ (21).

Das Paradigma des Materialismus besteht aus der ideologiekritischen Perspektive, die Krisen aus bestehenden Reproduktionsbedingungen heraus bestimmt. Das Qualifizierende an dieser Begriffskopplung ist das Emanzipatorische. Dieses birgt das Potenzial, die Krisen und Dysfunktionalitäten der bestehenden Lebensformen zu bewältigen (16). Den Herausgeber*innen zufolge fragt der an Jaeggis Theorie angelehnte Materialismus, wie folgend präzisiert wird, nach den konkreten gesellschaftlichen Bedingungen, durch welche Emanzipation möglich ist: „Der Materialismus stellt insofern immer die Frage nach der Emanzipation, nach Bedingungen, die sie ermöglichen, aber auch nach Hemmnissen und Blockaden, die sie behindern“ (12). Eine besondere Stärke des Sammelbandes liegt in seiner Qualifizierung als emanzipatorisch. Diese Setzung fragt nicht bloß als einfaches Analyseinstrument danach, wie gesellschaftliche Bedingungen strukturiert sind und funktionieren. Vielmehr konkretisiert sie, welche Bedingungen Emanzipation und die Bewältigung von Krisen blockieren, und begreift sie zugleich als immanente Form[5] gesellschaftlichen Wandels.

Diese Einsicht wird zurückgeführt auf den zentralen Praxisbegriff, der in der Einleitung von den Herausgeber*innen ausgeführt wird. Durch den durch Georg Wilhelm Friedrich Hegel präzisierten Begriff der Praxis wird ein gesellschaftliches Verhältnis abgeleitet, in dem soziale Normen nicht nur aus den materiellen Bedingungen hervorgehen, sondern umgekehrt auch die materiellen Bedingungen mit hervorbringen. Beispielsweise ist Geld demnach weder einfach ein Stück Papier noch automatisch eine Währung, sondern wird durch soziale Praktiken aufrechterhalten, durch die ihm seine bestimmte gesellschaftliche Bedeutung und Funktion zukommt: „Praktiken sind immer leiblich vollzogen, in Artefakte, Infrastrukturen und ökonomische Bedingungen eingelassen und durch Macht- und Eigentumsverhältnisse geprägt“ (30). Dieser Praxisbegriff erteilt jenen Materialismen und Gesellschaftstheorien eine Absage, die „die soziale Ordnung primär aus Ideen, Diskursen oder moralischen Prinzipien erklären“ (30), und verspricht gleichzeitig eine Alternative zu reduktionistischen und idealistischen Materialismen, die emanzipatorische Bewegungen aus den gegebenen Verhältnissen selbst ableiten (35). Hierunter fallen insbesondere der Historische Materialismus und „orthodox[e] Lesarten des Materialismus“ (30). Diese immanente Form des emanzipatorischen Materialismus bildet das zentrale Anliegen des Sammelbandes. Der emanzipatorische Materialismus untersucht also, wie gesellschaftliche Bedingungen das Handeln begrenzen, aber auch, wie die Welt verändert werden kann, um freier zu werden. 

Zwischen Kritischer Diagnose, Fortschritt und politischer Praxis

Seine theoretische Spannung gewinnt der Sammelband vor allem dadurch, dass er nicht nur gesellschaftliche Bedingungen beschreiben will, sondern Emanzipationsmöglichkeiten immanent aus diesen bestimmen soll. Hierbei stellt sich die Frage, wodurch der Materialismus als emanzipatorisch qualifiziert wird. An diesem Übergang zwischen kritischer Diagnose, Fortschritt und politischer Praxis liegt eine offene Frage des Bandes.

Der Band versammelt inklusive der Einleitung siebzehn Beiträge, die in vier Oberkapitel aufgeteilt sind. Das erste Kapitel ‚Der Gedanke, der zur Wirklichkeit drängt‘ umfasst Beiträge, die eine theoretische Kritik an den Begriffen Emanzipation, (Neuer) Materialismus, Entfremdung und Ideologiekritik formulieren und als Stresstest der Theorie Jaeggis fungieren. Das zweite Kapitel ‚Die Zeit in Gedanken gefasst‘ richtet den Blick auf gegenwärtige Krisen- und Transformationsprozesse, insbesondere den menschengemachten Klimawandel, die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die Demokratie sowie den Wandel von der Demokratie zur Autokratie. Das dritte Kapitel ‚Widerstand gegen die Gefahr des Rückfalls‘ diskutiert die Möglichkeit von Regression angesichts neuer faschistischer Entwicklungen und der Coronapandemie. Im Fokus stehen zudem die Bedeutung des Negativen als Bedingung von Wandel und Revolution sowie eine grundlegende Kritik am Fortschrittsbegriff, die ihn nicht als direkte Motivationsgrundlage für emanzipatorisches Handeln versteht. Das abschließende Kapitel ‚Die wirkliche Bewegung‘ behandelt Fragen des sozialen Widerstands, konturiert eine Kritische Theorie der Migration und erörtert in einem Interview das Wechselverhältnis des emanzipatorischen Materialismus zur Praxis.

Heterogenität und theoretische Spannung des Bandes

Insgesamt vereint der Band unterschiedliche Perspektiven auf den emanzipatorischen Materialismus, der zugleich den gemeinsamen konzeptionellen Bezugspunkt der Beiträge bildet. Dass einzelne Beiträge sich nicht näher mit dem zugrunde liegenden theoretischen Ansatz von Jaeggi auseinandersetzen, stellt aus Sicht der Herausgeber*innen kein Manko dar, da der Materialismus gleich wie die Kritische Theorie „ein heterogener Diskussionszusammenhang [sei], in dem eher Themen und Fragen statt Theoreme und Dogmen geteilt werden“ (11). Dennoch stellt sich die Frage, inwiefern ein emanzipatorischer Materialismus durch das Theoriegebäude Jaeggis hinreichend konturiert werden kann, wenn dieses in den betreffenden Beiträgen lediglich randständig in Erscheinung tritt.

Gerade die Heterogenität des Bandes macht eine Frage sichtbar, die über die bloß formale Gliederung hinausgeht: Was verbindet die Beiträge unter dem Begriff des emanzipatorischen Materialismus? Wenn die Beiträge nicht als geschlossenes Theoriegebäude, sondern als Diskurszusammenhang verstanden werden sollen, müsste sich ein einheitlicher Aspekt in der Frage zeigen, was unter Emanzipation zu verstehen ist. Die Beiträge sind sich einig darüber, dass Kritik an den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen geübt werden muss. Hierfür ist der Begriff des Fortschritts eine wesentliche Kontur des emanzipatorischen Materialismus. Doch genau die Verbindung von Fortschritt und Emanzipation wird von Eva von Redecker problematisiert.

Gemeinsame Perspektiven und theoretische Spannungen

Von Redecker beschreibt, dass man Geschichte nicht einfach als fortschreitende Emanzipation verstehen kann. Die moderne Gesellschaft habe zwar gezeigt – wie von Jaeggi durch „die Abolition der Sklaverei, die Kriminalisierung von Vergewaltigung in der Ehe und das Verbot, Kinder zu schlagen“ (241) beispielhaft verdeutlicht –, dass reale Fortschritte im Hinblick auf Freiheit, Recht und Selbstbestimmung erzielt worden seien. Zugleich sei aber auch die menschliche Fähigkeit gewachsen, immer mehr Mitmenschen unter eine Eigentumslogik zu subsumieren, sie für den Markt als ‚Sache‘ verfügbar zu machen und „die planetaren Lebensgrundlagen zu zerstören“ (241).[6] Deshalb muss ein emanzipatorischer Materialismus von Redecker zufolge nicht allein nach einzelnen Fortschritten fragen, sondern danach, welche Herrschaftsverhältnisse sich innerhalb desselben historischen Prozesses reproduzieren oder intensivieren konnten – innerlich sowie äußerlich. Fortschritt erscheint von Redecker also nicht notwendig als emanzipatorisch.

Eine weitere Grenze des Fortschrittsbegriffs besteht darin, dass aus einer immanenten Kritik nicht notwendig eine entsprechende emanzipatorische Praxis folgt. Hierfür scheint mir der Beitrag von Frederick Neuhouser eine leitende Frage für den gesamten Sammelband aufzuwerfen. Neuhouser reflektiert neben der Kritik an Jaeggis Fortschrittsbegriff das Wechselverhältnis von Reflexionsfähigkeit und Emanzipation und verdeutlicht, dass ersteres nicht notwendigerweise zum letzteren führt. Hierbei kommt zum Ausdruck, dass Emanzipation nicht allein aus dem individuellen Bewusstsein über gesellschaftliche Krisen besteht, sondern auch politische Praxis bedeutet. Für Neuhouser ist eine offene Frage, vor allem in Jaeggis Theorien, wie die Reflexionsfähigkeit „echte gesellschaftliche Akteur:innen dazu bringen kann, alles für einen gesellschaftlichen Wandel zu riskieren“ (296).

Das Interview im letzten Teil des Sammelbandes bringt die Notwendigkeit von Theorie und Praxis ebenfalls zum Ausdruck: „Kritische Theorie darf nicht auf der abstrakten Ebene theoretischer Begriffsreflexion verbleiben, sondern muss diese kontinuierlich mit der gesellschaftlichen Materialität konfrontieren“ (346). Dies erscheint zunächst als eine plausible Forderung und belässt ihre philosophischen Begriffe nicht im Abstrakten, sondern konkretisiert diese direkt an gesellschaftlichen Verhältnissen. Dies wird weitergehend unterstrichen, indem zum Ausdruck gebracht wird, dass die Konkretion der Fragestellungen der Kritischen Theorie sich nicht bloß aus dem ergibt, was sie beobachten können, sondern auch aus dem Leid in politischen Auseinandersetzungen: „Die theoretischen Forschungsfragen Kritischer und kritischer Theoretiker:innen entzünden sich nicht nur an dem beobachteten, sich gesellschaftlich manifestierenden, sondern auch an dem in politischen Kämpfen artikulierten Leiden“ (347).

Allerdings erfolgt aus der Analyse der Materialität, wie Neuhouser bereits verdeutlicht, nicht automatisch eine emanzipatorische Bewegung mit all ihren notwendigen normativen Veränderungen. Darüber hinaus lässt sich aus einem an der Kritischen Theorie orientierten emanzipatorischen Materialismus nicht unmittelbar eine emanzipatorische Politik ableiten. Der Sammelband verbleibt hier bei einer theoretischen Sensibilisierung für gesellschaftliche Widersprüche und emanzipatorische Ansprüche. Wenn die Analyse bei den in politischen Kämpfen artikulierten Leiden ansetzt, müsste umgekehrt auch erklärt werden, wie aus der theoretischen Kritik ein politischer Anspruch und eine Praxis der Emanzipation hervorgehen könnte. Als konkretes Beispiel lässt sich die von der Kampagne ‚Deutsche Wohnen & Co enteignen‘[7] und der Berliner Linken[8] erhobene Forderung anführen. Nicht allein wäre zu fragen, ob sie als emanzipatorischer Kampf verstanden werden kann, sondern auch, wie eine theoretische Kritik gesellschaftlicher Eigentumsverhältnisse zu einer politischen Praxis vermittelt werden kann.

Eine solche Vermittlungsfrage – auch über die Wohnungsfrage hinausgehend – liegt im Interview bereits ansatzweise vor, wird dort aber nicht systematisch ausgearbeitet. Sie könnte daher den Ausgangspunkt für ein Folgeprojekt in diesem Rahmen bilden, in welchem zu untersuchen wäre, wie aus der Kritik bestehender Eigentumsverhältnisse konkrete politische Forderungen, Organisationsformen und Formen kollektiver Praxis hervorgehen können.

Durch die Heterogenität der Beiträge wird neben der Vermittlungsproblematik deutlich, dass verschiedene Ansatzweisen von Emanzipation besprochen werden. Die unterschiedlichen Zugänge zum Begriff von Emanzipation und Materialismus zeigen, dass Emanzipation im Sammelband nicht als eindeutig bestimmter oder einheitlicher Begriff erscheint, sondern aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und kritisch hinterfragt wird. Mit dem Beitrag von Redeckers wird Emanzipation historisch-dynamisch beleuchtet und an konkrete gesellschaftliche Verhältnisse rückgebunden. Neuhousers Begriff der Emanzipation bedient eine politisch-praktische Dimension und das Interview spricht von Emanzipation zugleich theoretisch wie auch reflexiv. Der Begriff dient dazu, gesellschaftliche Verhältnisse als repressiv zu kennzeichnen und diese zugleich kritisch zu hinterfragen. Diese Uneinigkeit ist hierbei nicht als Schwäche des Bandes zu verstehen, sondern als Verweis auf die Komplexität des Emanzipationsbegriffs. Dennoch wird es ermöglicht, seine unterschiedlichen Spannungsverhältnisse und Dimensionen sichtbar zu machen. Diese Zugänge stehen keinesfalls nebeneinander, sondern erweisen sich als miteinander verschränkt und zeigen, dass Emanzipation weiterhin ein umkämpfter und komplexer Begriff bleibt.

Fazit: Grenzen und Möglichkeiten 

Auch unter Berücksichtigung der angebrachten Einwände belegt der Sammelband überzeugend, warum ein emanzipatorischer Materialismus nicht allein bei der Beschreibung gesellschaftlicher Verhältnisse stehenbleiben kann. Entgegen dem in der Einleitung formulierten Anspruch wird ein emanzipatorischer Materialismus nicht erschöpfend reformuliert. Die Leistung des Bandes ist vielmehr eine andere: Er legt die Konturen und inneren Problematiken dieses Diskursfeldes offen und macht damit gerade jene Spannungen sichtbar, an denen eine weiterführende Reformulierung erst ansetzen könnte. Dies ist zugleich Stärke und Grenze des Bandes, weil er hinter dem eingangs erhobenen Anspruchs einer Reformulierung zwar zurückbleibt, aber gleichzeitig einen Rahmen liefert, der zu einer produktiven Präzisierung des Feldes führen könnte. Gerade zwischen der Diagnose gesellschaftlicher Krisen, der Bestimmung von Fortschritt und der Vermittlung von Theorie und politischer Praxis liegt eine Lücke, die der Band sichtbar macht, ohne sie vollständig zu schließen. Seine Heterogenität ist insofern nicht nur seine Stärke, sondern lässt zugleich eine über die im Band hinausgehende Auseinandersetzung weiterhin offen: Wie lässt sich eine immanente Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse so begründen und weiterführen, dass aus der Diagnose gesellschaftlicher Widersprüche nicht lediglich die Forderung nach Veränderung hervorgeht, sondern auch eine Begründung, wie gesellschaftliche Emanzipation aussehen sollte?[9] Diese offene Frage schmälert aber nicht die Leistung des Bandes, vielmehr markiert sie den Ausgangspunkt weiterer Auseinandersetzungen „im Kampf für Emanzipation“ (35).


Anmerkungen:

[1] Vgl. Jaeggi, Rahel (2023): Fortschritt und Regression. Berlin: Suhrkamp, S. 12.

[2] Ebd. S. 13.

[3] In dieser Theorielandschaft wird meistens von kritischer Theorie mit großem K gesprochen, um ihre thematische Anbindung an den Marxismus sowie an die Tradition der Frankfurter Schule hauptsächlich nach Theodor W. Adorno und Max Horkheimer sichtbar zu machen. Die Spannungen und Öffnung dieses Begriffs zu einer kritischen Theorie mit kleinem k, die über die bloße Anbindung an die Frankfurter Schule hinausgeht, werden unter anderem in folgendem Artikel diskutiert: Loick, Daniel (2024): Provincializing Frankfurt. Kritische Theorie mit kleinem k, in: Zeitschrift für kritische Theorie 30: 1, S. 184-191.

[4] Vgl. Jaeggi (2023): Fortschritt und Regression, S. 11.

[5] Zum Begriff der immanenten Entwicklung vgl. Jaeggi, Rahel (2009): Was ist Ideologiekritik?, in: Jaeggi, Rahel / Wesche, Tilo (Hg.): Was ist Kritik?, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 266-295. 

[6] Ihren Ansatz begründet von Redecker in ihrem neu erschienenen Werk. Vgl. Redecker, Eva von (2026): Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus, Frankfurt a. M.: S. Fischer.

[7] Vgl. Deutsche Wohnen & Co. enteignen: Was ist Vergesellschaftung?, online unter: https://dwenteignen.de [letzter Zugriff: 16.10.2026].

[8] Vgl. Die Linke Berlin: Deutsche Wohnen & Co. enteignen. Von Expert*innen empfohlen, online unter: https://dielinke.berlin/vergesellschaftung/ [letzter Zugriff: 16.10.2026].

[9] Der Anspruch an eine Sozialtheorie wird von Rahel Jaeggi und Robin Celikates anhand des Beispiels der Arbeit folgend erklärt: „Die Sozialphilosophie stellt also nicht nur die Frage, wie zeitgenössische Arbeitsverhältnisse verfasst sind oder wie die Individuen sich (empirisch) zu ihrer Arbeit verhalten; sie fragt auch begrifflich und evaluativ danach, was Arbeit und die durch sie geprägten sozialen Verhältnisse eigentlich sind und wie die gesellschaftliche Organisation von Arbeit verfasst sein sollte.“ Celikates, Robin / Jaeggi, Rahel (2017): Sozialphilosophie. Eine Einführung, München: C.H.Beck, S. 8.  



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