/ 03.06.2013
Georg Vobruba
Autonomiegewinne. Sozialstaatsdynamik, Moralfreiheit, Transnationalisierung
Wien: Passagen Verlag 1997; 253 S.; brosch., 48,- DM; ISBN 3-85165-261-4Im Feld der sozialwissenschaftlichen Sozialpolitikdiskussion nimmt Vobruba seit langem eine - erkennbar eigenwillige - Position jenseits der etablierten theoretischen Lager ein. Er läßt sich weder einer linken Sozialstaatskritik noch der empirisch-analytischen Komparatistik zuordnen. Seine Arbeiten beruhen vielmehr auf einer Mischung akteurstheoretischer Analysen mit konstruktivistischen Perspektiven, die gleichwohl in einen normativen Rahmen eingebunden bleibt. Sozialstaatliche Arrangements - so die Grundprämisse seiner Überlegungen - können, gerade weil sie zwischen ökonomischen Anforderungen und dem Eigensinn sozialer Lebenswelten einen institutionellen Puffer schieben, zivilisierend auf die Ökonomie zurückwirken. Ob und in welcher Richtung sie diesen Effekt auslösen, ist freilich nicht voluntaristisch als Ergebnis "gezielte[r], intentionale[r] Befreiungsversuche[...] ganzer Gesellschaften" zu interpretieren (12). Von dieser Skepsis gegenüber gesamtgesellschaftlichen Steuerungsansprüchen ausgehend lautet die leitende Frage (nicht nur) dieses Buches: "Werfen gesellschaftliche Regulierungs- und Modernisierungsprojekte Autonomiegewinne als nichtintendierte Effekte ab?" (12) Drei der zehn Abhandlungen des Bandes sind Erstveröffentlichungen, die anderen Texte stellen überarbeitete Fassungen von Aufsätzen dar, die Vobruba in den letzten zehn Jahren publiziert hat. Thematisch sind die Beiträge überzeugend um drei zentrale Fragestellungen gruppiert: mögliche Neujustierungen des Verhältnisses von Ökonomie und Sozialpolitik (11 ff.), die umwegigen Beziehungen zwischen Entwürfen sozialer Gerechtigkeit und politischer Praxis (75 ff.) und schließlich Ansatzpunkte einer transnationalen Perspektive sozialwissenschaftlicher Analysen (161 ff.).
Aus dem Inhalt: Sozialstaatsdynamik: Innovation und Irreversibilität. Die Entwicklung des Verhältnisses von Ökonomie und Sozialpolitik; Arbeit und Einkommen nach der Vollbeschäftigung; Income mixes. Eine Spekulation über die langfristige Entwicklung materieller Existenzsicherheit. Moralfreiheit: Autonomie. Konsequenzen von Verrechtlichung und Deregulierung; Die Faktizität der Geltung. Gerechtigkeit im sozialpolitischen Umbau-Diskurs; Kritik des politischen Moral-Interventionismus. Probleme bei der Rückkehr der Gerechtigkeit in die Politik; Legitimationsprobleme des Sozialismus. Das Scheitern des intentionalistischen Gesellschaftsprojekts und das Erbe des Sozialismus. Transnationalisierung: Grenzen von Staatsgrenzen; Sozialpolitik im inszenierten Eurokorporatismus; Die soziale Dynamik von Wohlstandsgefällen. Prolegomena zur Transnationalisierung der Soziologie.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.262 | 2.22 | 3.5
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Georg Vobruba: Autonomiegewinne. Wien: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3411-autonomiegewinne_4489, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 4489
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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