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/ 05.06.2013
Bodo Hombach

Aufbruch. Die Politik der Neuen Mitte

München/Düsseldorf: Econ 1998; 229 S.; geb., 39,80 DM; ISBN 3-430-14813-8
Es ist keine Streitschrift, sondern ein Zukunftsprogramm der SPD in der Interpretation eines Wahlkampfstrategen: nicht ideologisch, sondern pragmatisch orientiert. Auf den ersten Blick ist Hombachs Buch eine Art Selbstfindung, ein Versuch, den Begriff "Neue Mitte" mit Leben zu füllen, d. h. auch darzulegen, was die Sozialdemokraten für diese "Neue Mitte" leisten sollten. Hombach hält diesen parteiideologisch kritischen Kurs durch und plädiert insofern zwar konsequent für die Chancengleichheit, aber nur "beim Start, nicht im Ergebnis" (12). Um gute Voraussetzungen zu schaffen, muß man nach Hombach von einer parteiideologisch verstellten Betrachtung von Politik Abschied nehmen. Das bedeutet etwa: "Wer den Status quo des Wohlfahrtsstaates verbissen verteidigt, ist in Wahrheit sein Totengräber." (13) Und weiter: "Heute prüft die Globalisierung alle Institutionen der nationalen Gesellschaften und Politik gnadenlos auf ihre Funktionalität im internationalen Wettbewerb" (12). Hombach bietet keine extremen Betrachtungen, die sich an den bisherigen Veröffentlichungen zur Lage in Deutschland besonders reiben könnten; er navigiert unspektakulär eben in jener im SPD-Wahlkampf so oft beschworenen Mitte, die er vor allem mit Pragmatismus ausfüllen möchte, wie z. B. in der "Rekonstruktion der sozialen Marktwirtschaft", dem Bürger in kleinen Dosen verabreicht. Der Staat soll nicht dirigieren, er soll motivieren und wenn nötig Hilfestellung leisten können. Hombachs Ausführungen zielen keineswegs nur auf den politischen Gegner, sondern meinen vor allem die eigene Partei, wenn er - wohl auch aus Gründen des Selbstschutzes - gegen den parteipolitischen Einheitsbrei schreibt: "Wer in der heutigen Zeit noch zu hundert Prozent hinter jedem Beschluß und zur Partei programmatisch in jedem Nebensachverhalt steht, ist ein Fall für die Therapie und nicht für den politischen Diskurs." (21) Hombachs eloquent vorgetragene "Packen-wir-es-an"-Rhetorik ist kein Aufruf zur Revolutionierung des politischen Systems, sondern ein Aufbruchsappell in kleinen pragmatischen Schritten. Inhalt: 1. Der Aufbruch aus der "blockierten Gesellschaft"; 2. Die Maximen eines aktivierenden Staates; 3. "Erst das Land ..." - die Zukunft der Parteien; 4. Die Krise des traditionellen und der Beginn eines neuen Korporatismus; 5. Glückliches Holland, starkes Amerika? Was uns Vorbilder lehren; 6. Innovationen für Wachstum und Beschäftigung; 7. Für eine aktivierende Sozial- und Arbeitsmarktpolitik; 8. Nachwort von Gerhard Schröder.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.3312.342 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Bodo Hombach: Aufbruch. München/Düsseldorf: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6616-aufbruch_8940, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8940 Rezension drucken
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