/ 21.06.2013
Christian Saehrendt
Kunst als Botschafter einer künstlichen Nation. Studien zur Rolle der bildenden Kunst in der Auswärtigen Kulturpolitik der DDR
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2009 (Pallas Athene 27); 197 S.; geb., 34,- €; ISBN 978-3-515-09227-2In der DDR habe die Prämisse gegolten, dass „wahre“ Kultur nur in einer sozialistischen Gesellschaftsordnung möglich sei, Kultur hatte politischen und sozialen Zwecken zu dienen, so der Kunsthistoriker Saehrendt. Charakteristisch für die gesamte Kulturpolitik der DDR sei die Orientierung an der Sowjetunion gewesen, was sich auch auf die Auswärtige Kulturpolitik bezog. Dennoch habe die Führung in Ostberlin vor allem die westlichen Länder im Blick gehabt. Mithilfe einer starken kulturpolitischen Präsenz in den Ländern der westlichen Siegermächte habe sie versucht, die Souveränität der DDR zu beweisen. Mit der Präsentation „sozialistischer Kunst“ bei renommierten internationalen Großausstellungen wie der „documenta“ in Kassel oder der Biennale in Venedig sei versucht worden, die Leistungsfähigkeit und Überlegenheit des Sozialismus in den Gattungen Malerei und Plastik zu demonstrieren. Als Zugpferd habe die sogenannte „Leipziger Schule“ um die Maler Willi Sitte, Bernhard Heisig, Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer gedient. In den 60er-Jahren seien sie wegen der „Verfremdung der gesellschaftlichen und geschichtlichen Wirklichkeit“ von SED-Funktionären kritisiert worden, sodass westliche Kritiker auf die Maler aufmerksam wurden. Die Auslandserfolge und Valutaeinnahmen der Vertreter der Leipziger Schule habe deren Position nach innen gefestigt und ihre künstlerische Freiheit erwirkt. Die Auswärtige Kulturpolitik sei in Zusammenhang mit der Außenpolitik von den Führungsgremien der Staatspartei zentralistisch geplant worden. Zeitweilig habe die Liga für die Völkerverständigung die Auslandskulturarbeit geleistet, die eine Reihe von Kultur- und Informationszentren im Ausland eröffnete, in denen Sprachkurse, Seminare, wissenschaftliche Vorträge, Konzerte und Kunstausstellungen stattfanden. Saehrendt beschreibt außerdem, wie die ostdeutsche Kunst in Frankreich, Großbritannien und in den USA präsentiert wurde. Insgesamt bietet er einen fundierten Überblick über einen bisher wenig beleuchteten Aspekt der DDR-Vergangenheit.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Christian Saehrendt: Kunst als Botschafter einer künstlichen Nation. Stuttgart: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30365-kunst-als-botschafter-einer-kuenstlichen-nation_36037, veröffentlicht am 23.04.2009.
Buch-Nr.: 36037
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