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/ 21.06.2013
Angelika Ebbinghaus / Max Henninger / Marcel van der Linden (Hrsg.)

1968. Ein Blick auf die Protestbewegungen 40 Jahre danach aus globaler Perspektive/A view of the protest movements 40 years after, from a global perspective. Hrsg. im Auftrag der International Conference of Labour and Social History (ITH)

Leipzig: Akademische Verlagsanstalt 2008 (ITH-Tagungsberichte 43); 227 S.; brosch., 25,- €; ISBN 978-3-931982-63-8
Die verschiedenen 68er-Bewegungen werden in diesem Band nach einer Definition von Etienne François unter dem „Begriff einer ‚pluralen Einheit’“ (12) zusammengefasst. Die Autoren, die ihre Beiträge auf der Jahreskonferenz 2008 der International Conference of Labour and Social History vorstellten, fragen deshalb vor allem danach, was die 68er-Bewegten weltweit miteinander verband. Ebbinghaus und van der Linden benennen, neben den Aktionsformen des Protests, vor allem ein Charakteristikum: „Ihre Rebellion gegen die Verhältnisse war in der Theorie und Praxis mit der Emanzipation der eigenen Person verbunden.“ (13) Seltsamerweise folgt auf diese Feststellung ein Beitrag, in dem es um die Ausstrahlung der chinesischen Kulturrevolution auf die 68er-Bewegungen geht – es wird aber nicht besonders betont, dass diese Massenbewegung von oben initiiert war. Von dem Beitrag von Susanne Weigelin-Schwiedrzik bleibt auch nicht mehr als der Eindruck übrig, dass die westeuropäischen 68er nur ein Abziehbild der Kulturrevolution benutzten, um von einer Alternative zum real existierenden Sozialismus in Osteuropa und zur kapitalistischen Konsumgesellschaft zu träumen. In einem der weiteren Fallbeispiele des ersten Hauptkapitels geht es um die repressiven Auswirkungen der Niederschlagung des Prager Frühlings auf die ungarische Gesellschaft, womit ein weiteres Beispiel gewählt wurde, mit dem sich – trotz der Gleichzeitigkeit – ebenso die Verschiedenheit der 68er-Bewegungen belegen ließe. Im nächsten Kapitel werden Netzwerke am Beispiel der GI-Agitation und US-amerikanischer Deserteure, mit Blick auf die Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien und das lateinamerikanische 1968 behandelt. Hinsichtlich der Folgen werden die neuen Frauenbewegungen und der Ende der 60er-Jahre entstandene Terrorismus in Deutschland und Italien thematisiert. Im letzten Kapitel diskutiert u. a. Peter Birke die wissenschaftliche Einordnung der 68er-Revolten sowohl unter die Begriffe kulturelle Revolution und Modernisierung als auch in einen längeren Zeitraum – und betont die Bedeutung der 68er-Bewegungen als Bruch in der gesellschaftlichen Entwicklung.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.222.682.652.612.642.3132.362.272.372.25 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Angelika Ebbinghaus / Max Henninger / Marcel van der Linden (Hrsg.): 1968. Leipzig: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31577-1968_37604, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 37604 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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