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/ 20.06.2013
Thomas Gerrith Funke

Die Religionsfreiheit im Verfassungsrecht der USA. Historische Entwicklung und Stand der Verfassungsrechtsprechung

Berlin: Duncker & Humblot 2006 (Staatskirchenrechtliche Abhandlungen 45); 183 S.; 68,80 €; ISBN 978-3-428-11379-8
Rechtswiss. Diss. Bonn; Gutachter: W. Löwer. – Spätestens seit den Entscheidungen „Kruzifix“, „LER“ und „Kopftuch“ des Bundesverfassungsgerichts wird das Verhältnis von Staat und Religion neuerlich kontrovers diskutiert. Der Versachlichung dienlich ist hierbei der Blick auf die Verfassungspraxis anderer pluralistischer Demokratien, nicht zuletzt den USA. Funke untersucht in seiner Arbeit die Entwicklung der Religionsfreiheit, die im amerikanischen Verfassungsleben traditionell von herausragender Bedeutung ist, von der Verfassungsgebung bis heute. Dabei steht die Rechtsprechung des Supreme Court zum ersten Zusatzartikel der Bundesverfassung (u. a. zu Schulgebet, Bekleidungsvorschriften, Sonntagsschutz, Tieropfer) vom Zweiten Weltkrieg bis zur jüngsten, konservativen „Rehnquist-Ära“ im Vordergrund. In einem abschließenden Kapitel werden unmittelbar Vergleiche zwischen Deutschland und den USA gezogen. Dabei fällt selbst angesichts zahlreicher Parallelen auch auf, dass trotz – oder besser: gerade wegen – der großen Bedeutung der Religion in der politischen Kultur der USA das „amerikanische Neutralitätsverständnis [...] strenger [...ist]. Das Bild von Jeffersons 'wall of separation' entspricht nicht der deutschen Verfassungstradition, die Verflechtungen zwischen Staat und Kirche eher zulässt. So wären die Finanzierung konfessioneller theologischer Studiengänge oder gar die Erteilung von bekenntnishaftem Religionsunterricht durch Landesbeamte unvereinbar mit dem amerikanischen Verfassungsgrundsatz, dass Steuergelder nicht zur Verbreitung einer Religion verwandt werden dürfen“ (169). Relativ betrachtet, so ließe sich ergänzend argumentieren, ist das amerikanische Verständnis insofern das „pluralistisch-demokratischere“, denn seiner bisherigen Handhabung nach begünstigt das deutsche Staatskirchenrecht ausgehend vom Weimarer Traditionsbestand aufgrund seiner „etatistischen Schlagseite“ immer wieder die schon etablierten, vom Staat als Körperschaften des öffentlichen Rechts (!) „anerkannten“ Religionsgesellschaften.
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 2.642.212.23 Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Thomas Gerrith Funke: Die Religionsfreiheit im Verfassungsrecht der USA. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21800-die-religionsfreiheit-im-verfassungsrecht-der-usa_27970, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 27970 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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